Du musst nicht immer recht haben. Aber du tust so
Shownotes
Du musst nicht immer recht haben. Aber du tust so.
Eine Folge über Männer, die jedes Gespräch eng machen, ohne es zu merken.
Es geht um den feinen Ton der Überlegenheit. Um Rechthaben als Gewohnheit. Um die Frage, warum manche Menschen im Gespräch Nähe verlieren, obwohl sie sich selbst für klar, erfahren und ehrlich halten.
In dieser Folge hörst du:
warum Rechthaben im Beruf oft belohnt wurde und privat zum Problem werden kann weshalb aus Erfahrung schnell Belehrung wird was Gespräche eng macht, auch ohne Lautstärke warum kaum jemand solche Wahrheiten offen ausspricht und was sich verändert, wenn ein Mann nicht mehr jeden Satz gewinnen muss
Für Männer 60 plus. Und für alle, die mit ihnen leben, reden oder manchmal an ihnen verzweifeln.
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00:00:00: Du musst nicht immer Recht haben, aber du tust so.
00:00:05: Es gibt Männer mit denen man nach zehn Minuten weiß wie der Abend endet.
00:00:09: Nicht weil sie langweilig wären, nicht weil sie nichts erlebt hätten sondern weil sehr früh klar ist hier geht es nicht um Austausch.
00:00:16: Hier will einer recht behalten.
00:00:18: Er sagt das nicht Aber er tut es Bei jedem Thema.
00:00:22: ein Hauch von Überlegenheit bei jedem Einwand ein kurzes Lächeln bei jeder anderen Sichtweise dieser Unterton der sagt nett Aber ich bin da längst weiter.
00:00:33: Das Problem ist nicht die Meinung, das Problem beginnt da wo ein Gespräch nicht mehr offen ist sondern besetzt.
00:00:40: Wo nicht mir zugehört wird sondern einsortiert, wo der andere nicht mehr als gegenüber vorkommt sondern nur noch als Vorlage für die eigene Korrektheit.
00:00:50: Ich denke einen Abend beim Italiener vier Menschen am Tisch zwei alte Freunde eine Frau Ein Mann den alle lange kennen.
00:00:59: Es geht erst um etwas harmloses Arbeit, die Kinder, Gesundheit – das übliche.
00:01:05: Einer erzählt, dass seine Tochter überlegt den Job zu wechseln.
00:01:09: Kaum ist der Satz zu Ende, sagt er andere schon Das ist doch typisch!
00:01:13: Diese Generation hält ja nichts mehr aus.
00:01:16: Dann kommt der Rest.
00:01:18: Warum junge Leute keine Loyalität mehr kennen?
00:01:20: Warum früher nicht alles besser war Aber wenigstens klarer warum Unternehmen heute falsch geführt werden, warum die Welt im Grunde aus dem Tritt geraten ist.
00:01:30: Als der Kellner kommt, ist das Thema erledigt.
00:01:32: Nicht geklärt – nur tot!
00:01:34: Die anderen nicken noch aber niemand legt nach.
00:01:37: Spägter sagt einer draußen beim Hinausgehen leise?
00:01:41: Mit ihm kann man eigentlich gar nicht mehr reden….
00:01:44: Man kann ihn nur noch zuhören.
00:01:47: Genau das ist gemeint.
00:01:49: Nicht der große Eklat, nicht der peinliche Ausbruch sondern diese Art ein Gespräch so zu besetzen dass nichts mehr atmen kann.
00:01:58: Der Betreffende merkt das oft nicht.
00:02:00: Er erlebt sich als klar, als erfahren und direkt, als jemand der eben nicht jeden Unsinn mitmacht.
00:02:07: Kann sein!
00:02:09: Es kann aber auch sein, dass er einfach anstrengend geworden ist – denn Rechthaberei tanzt sich gern als Souveränität.
00:02:16: Ein Mann hat viel erlebt, er kennt Zusammenhänge, er hat Krisen überstanden Menschen geführt, Fehler gemacht, Rechnungen gezahlt, sich mit Chefs, Ärzten, Partnerinnen, Kindern und dem eigenen Leben herumgeschlagen.
00:02:28: Natürlich kommt da etwas
00:02:29: zusammen.".
00:02:30: Erfahrung, Urteil – ein gewisser Blick auf die Dinge.
00:02:34: Nur macht Erfahrung einen Menschen nicht automatisch angenehm.
00:02:38: Manchmal macht sie ihn vor allem fest.
00:02:42: Hart!
00:02:43: Dann sitzt da einer der auf alles eine Antwort hat aber auf kaum noch etwas neugierig reagiert.
00:02:51: Das ist keine Stärke.
00:02:52: Das ist oft nur Erstarung mit guter Begründung!
00:02:55: Man erkennt solche Männer nicht immer daran, dass sie laut sind.
00:02:59: Manche sind ganz ruhig – sehr kontrolliert sogar.
00:03:01: Genau das macht es schwierig….
00:03:04: Da wird nicht gepoltert und da wird mit feinem Besteck
00:03:06: abgewertet.".
00:03:08: Ein kurzer Satz genügt.
00:03:10: Ach was?
00:03:11: So einfach ist das nicht.
00:03:12: Das is doch naiv.
00:03:14: Da kennen Sie die Zusammenhänge nicht... Ich sehe das naturgemäß etwas differenzierter und schon ist das Gespräch kein Gespräch mehr.
00:03:22: Es wird zur kleinen Machtdemonstration, nicht offen, nicht grob aber eindeutig.
00:03:27: Das Gegenüber macht dann oft etwas sehr Kluges.
00:03:30: es zieht sich innerlich zurück Nicht aus Schwäche, aus Ökonomie Weil es ahnt dass hier nichts zu holen ist.
00:03:39: Kein echtes Interesse, kein gemeinsames Denken nur die nächste polierte Richtigstellung.
00:03:45: Vielleicht ist das einer der Gründe, warum manche Männer im Laufe der Jahre weniger näher erleben als sie gerne hätten.
00:03:52: Nicht weil die Welt zu oberflächlich geworden wäre nicht weil niemand mehr Widerspruch aushält sondern weil dauerndes Recht behalten jedes Gespräch kleiner macht.
00:04:01: Niemand erzählt gern frei wenn er gleich einsortiert wird.
00:04:05: Niemand denkt laut wenn am Ende schon einer weiß wie es richtig wäre.
00:04:10: Nieman bleibt offen wenn er spürt dass sein Gegenüber nicht verstehen will sondern gewinnen.
00:04:15: Und genau hier wird es interessant, denn im Beruf funktioniert so etwas erstaunlich gut.
00:04:22: Wer schnell entscheidet wirkt stark, wer Antworten hat wirkt souverän, wer Unsicherheit überspielt gilt als belastbar, wer Einwände zügig abräumt erscheint führungsfähig.
00:04:34: Jahrelang kann das nützig sein – nur ist es in privaten kein Vorteil!
00:04:39: Eine Partnerin ist keine Abteilung.
00:04:42: Freunde sind kein Gremium, erwachsene Kinder sind keine Mitarbeitenden und ein Abendessen wird nicht besser nur weil einer den Raum inhaltlich beherrscht.
00:04:52: Trotzdem nehmen manche genau diesen Ton mit hinüber.
00:04:55: Der Job ist vorbei – die Rolle nicht!
00:04:58: Man hat keinen Titel mehr aber noch dieselbe innere Position.
00:05:03: Man hört nicht wirklich zu wie man taxiert Man antwortet nicht, man bewertet.
00:05:08: Man fragt etwas und ist innerlich schon bei der eigenen
00:05:11: Sicht.".
00:05:12: Dann entsteht eine Schieflage.
00:05:16: Der Betreffende hält sich für klar – das Umfeld empfindet ihn als anstrengend!
00:05:21: Nur sagt es kaum jemand offen….
00:05:24: Die meisten machen etwas viel Praktischeres.
00:05:26: Sie werden kürzer, sie lassen Themen weg und melden sich seltener.
00:05:29: Sie erzählen weniger nicht aus Boßheit einfach weil sie keine Lust haben sich mit jedem Satz erst die Überlegenheit des anderen erarbeiten zu müssen.
00:05:42: Das Bittere ist wer so spricht merkt es oft selbst zuletzt.
00:05:46: Er erlebt nicht seine Wirkung sondern nur seinen inneren Auftrag.
00:05:50: Er findet sich ehrlich, obwohl er vor allem streng geworden ist.
00:05:54: Er nennt es Klartext wenn er anderen die Luft aus dem Gespräch zieht.
00:05:58: Er hält sich für aufrichtig, obwohl längst jeder spürt dass es hier nicht mehr um Begegnung geht sondern um Deutungshoheit.
00:06:07: Natürlich gibt es dafür bequeme Erklärungen Die Anderen seien heute zu empfindlich Man dürfe nichts mehr sagen.
00:06:14: Niemand halte Widerspruch aus.
00:06:16: Alle wollten nur noch Bestätigung.
00:06:18: So kann man sich das erzählen.
00:06:21: Hilfreich ist es eher nicht!
00:06:24: Die interessantere Frage wäre, wie ist es eigentlich mit mir zu sprechen?
00:06:30: Nicht habe ich Recht, nicht bin ich intelligent, nicht habe ich Erfahrung sondern entsteht in meiner Gegenwart etwas dass ein anderer gern wieder haben möchte.
00:06:41: Das ist sein harter Maßstab aber wahrscheinlich der einzig brauchbare Denn Menschen bleiben nicht wegen der brillantesten Einordnung.
00:06:48: Sie bleiben dort, wo noch Luft im Raum ist – wo man denken darf, ohne sofort korrigiert zu werden!
00:06:55: Wo Widerspruch möglich ist, ohne dass die Stimmung kippt, wo man nach einem Satz nicht so fort das Gefühl hat geprüft, belehrt oder abgewertet zu werden?
00:07:06: Vielleicht ist genau das eine der stillen Prüfungen des Älterwerdens.
00:07:10: Nicht ob man noch mithalten kann… nicht ob man noch relevant ist, sondern ob man es schafft mit all seiner Erfahrung nicht schwer zu werden.
00:07:19: Das ist schwerer als es klingt!
00:07:22: Denn wer lange über Kompetenz, Überblick und Urteil gelebt hat gibt diese innere Polepositionen nicht gern ab – nicht immer aus Eitelkeit, manchmal aus Unsicherheit.
00:07:34: Wenn ich nicht mehr der bin, der is besser weiß, wer bin ich dann doch?
00:07:39: Wenn meine Sicht nicht bei der Maß das Maß der Dinge iß was bleibt an von mir?
00:07:44: Vielleicht reagieren manche genau deshalb so gereizt auf Widerspruch.
00:07:48: Nicht weil der andere zwingend Unrecht hatte, sondern weil sofort mehr ins Wankengerät als nur ein Argument.
00:07:56: Trotzdem bleibt er befunden ziemlich simpel!
00:07:59: Mit manchen Menschen spricht man nicht frei – man bewegt sich nur noch in ihrem Meinungskorridor.
00:08:05: Der eine wird mit den Jahren klarer, freundlicher und gelassener, nicht weich aber durchlässig….
00:08:10: Man merkt «der muss nichts mehr vorführen», das ist angenehm.
00:08:15: Der andere wird härter, nicht unbedingt lauter aber schwerer, reizbarer.
00:08:20: Belehrender!
00:08:21: Man spürt schon nach wenigen Minuten das jede Abweichung Aufwand erzeugt und irgendwann sparen sich andere genau diesen Aufwand.
00:08:31: Vielleicht beginnt Reife an einem anderen Punkt als viele Denken – nicht dort wo man auf alles eine Antwort hat sondern dort wo sie nicht dauernd platzieren muss.
00:08:42: Nicht gefälliger werden, nicht beliebiger werden aber weniger damit beschäftigt sein, sich in jedem Gespräch zu behaupten.
00:08:50: Denn ein Mann der nicht mehr jeden Satz gewinnen will wird oft zum ersten Mal wirklich
00:08:55: angenehm.".
00:08:58: Weil neben ihm wieder etwas entstehen kann!
00:09:01: Ein echter Gedanke, einen Widerspruch ohne Kränkung eine Überraschung?
00:09:06: Ein Gespräch nach dem nicht seine Meinung im Raum hängt sondern die schlichte Erkenntnis gut dass er da war das wäre ja schon einiges.
00:09:17: Wenn dich das beschäftigt, dann folge meinen Podcast und lass eine Bewertung da.
00:09:23: Nicht aus Gefälligkeit sondern damit solche Gespräche auch dort ankommen wo man sie dringend braucht und selten freiwillig anfängt!
00:09:31: Ich bin Fina Engels bis nächste Woche Sonntag um acht Uhr dreißig.
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