Plötzlich Rentner Ich bin doch noch nicht fertig

Shownotes

Plötzlich Rentner.

Für viele klingt das nach Freiheit: keine Termine mehr, keine Sitzungen, kein Druck, keine E-Mails, kein Montagmorgen, der schon am Sonntagabend im Nacken sitzt.

Aber was passiert, wenn diese Freiheit sich am Anfang gar nicht frei anfühlt?

In dieser Folge geht es um Männer, die jahrzehntelang über Beruf, Verantwortung, Entscheidungen und Zuständigkeit definiert waren. Um den Moment, in dem der Kalender leerer wird, aber der Kopf noch weiterarbeitet. Um alte Rollen, neue Lücken und die Frage, warum Ruhestand manchmal zuerst wie Bedeutungsverlust wirkt.

Der Beruf war nie nur Arbeit. Er war Struktur, Rhythmus, Gesprächsstoff, Zugehörigkeit und oft auch eine Erklärung dafür, wer man war.

Und dann sagt man plötzlich: Ich bin im Ruhestand.

Das klingt sachlich. In den eigenen Ohren kann es aber klingen wie: Ich war mal.

Themen dieser Folge:

Ruhestand als Bruch, nicht nur als Befreiung Beruf, Identität und männliches Selbstbild Der erste leere Montagmorgen Warum Kompetenz bleibt, aber ihr offizieller Ort verschwindet Familie ist kein Unternehmen Partnerschaft und Nähe nach dem Berufsleben Alleinleben, Stille und dünner werdende Tage Beschäftigung ist nicht automatisch Bedeutung Warum „Ich bin doch noch nicht fertig“ nicht Rückkehr heißen muss Wie ein neuer Abschnitt kleiner, nüchterner und ehrlicher beginnen kann

Diese Folge ist für Männer, die nicht einfach nur aufhören wollen. Und für alle, die verstehen möchten, warum der Ruhestand nicht immer sofort nach Freiheit klingt.

Vielleicht beginnt ein neuer Abschnitt nicht mit großen Plänen. Vielleicht beginnt er mit einem einzigen ehrlichen Satz:

Ich weiß noch nicht, wie das wird.

Transkript anzeigen

00:00:00: Ich bin doch noch nicht

00:00:01: fertig.".

00:00:03: Plötzlich Rändner und keiner hat gefragt, ob das schon passt.

00:00:08: Es gibt Sätze die sagt man nicht laut – nicht beim Abschiedsempfang oder beim letzten Glas Sekt im Besprechungsraum!

00:00:14: Nicht wenn die Kolleginnen Blumen über Reichen unter jüngeren Nachfolger freundlich lächelt als hätte er gerade nicht den eigenen Stuhl übernommen.

00:00:23: Man sagt, ich freue mich auf die freie Zeit.

00:00:27: Jetzt kommen erst mal Reisen, Garten, Enkel lesen.

00:00:31: Man sagt, irgendwann muss ja auch mal Schluss sein.

00:00:35: Aber innerlich steht ein anderer Satz im Raum – Ich bin doch noch nicht fertig!

00:00:41: Nicht fertig mit Können, mit Denken, mit Entscheidenden, nicht fertig mit Gebrauchtwerden, nicht fertig mit diesem merkwürdigen Gefühl dass das Leben gerade einen Gang zurückschaltet obwohl im eigenen Kopf noch Betrieb ist.

00:00:55: Der Ruhestand wird gern verkauft wie eine

00:00:57: Belohnung.".

00:00:58: Endlich frei!

00:01:00: Endlich keine Termine, endlich kein Chef, kein Dienstplan, keine Besprechungen, keine E-Mails.

00:01:05: Endlich keinen Montagmorgen der schon am Sonntagabend im Nacken sitzt.

00:01:10: Das klingt gut und manchmal ist es ja auch gut aber nicht immer sofort Denn Freiheit ist eine feine Sache wenn man weiß was man mit ihr anfangen will.

00:01:23: Wenn man aber vierzig Jahre lang über Kalender, Aufgaben, Zuständigkeit Probleme und Entscheidungen definiert war dann kann ein Lehrer Montagmorgen weniger nach Freiheit klingen als nach Entlassung aus der eigenen Bedeutung.

00:01:39: Da sitzt dann einer am Frühstückstisch Die Zeitung liegt ordentlich gefaltet neben dem Teller Der Kaffee ist stark.

00:01:45: wie immer draußen fahren die ersten Autos vorbei die Welt beginnt ihren Arbeitstag Nur er nicht mehr.

00:01:53: Kein Termin, kein Anruf.

00:01:55: Keiner braucht bis zehn Uhr eine

00:01:56: Entscheidung.".

00:01:58: Das ist objektiv kein Unglück!

00:02:00: Aber es kann sich verdammt merkwürdig anfühlen.

00:02:04: Denn der Ruhestand nimmt nicht nur Arbeit weg – er nimmt Struktur weg wie der Holung und Reibung die kleinen Bestätigen, die man nie an Erkennungen nannte, die aber trotzdem gewirkt haben.

00:02:16: Der kurze Blick ins Büro….

00:02:18: Gut dass Sie da sind ….

00:02:19: Die Frage im Flur….

00:02:21: Wie würden sie das machen?

00:02:22: Der Anruf, wenn etwas klemmt.

00:02:25: Die Sitzungen der man genervt war aber trotzdem wusste.

00:02:28: ohne mich läuft das hier nicht ganz rund und dann läuft es ohne einen.

00:02:34: Vielleicht nicht besser vielleicht nicht schlechter Aber es läuft!

00:02:39: Das ist eine Zumutung eigener Art.

00:02:42: Nicht weil man unersetzlich sein wollte, natürlich nicht.

00:02:46: Das sagt kein vernünftiger Mensch über sich selbst – aber insgeheim hatte man sich schon daran gewöhnt eine erkennbare Rolle zu haben!

00:02:54: Nicht unbedingt eine schöne, nicht immer eine leichte, aber eine klare.

00:02:59: Der der den Überblick hat, der weiß wie man anrufen muss, der den Laden kennt, der nicht bei jedem Problem gleich die Hände hebt und dann steht man plötzlich auf der anderen Seite….

00:03:11: Man ist nicht mehr mittendrin, man schaut zu.

00:03:15: Man darf jetzt Zeit haben – dieses dürfen kann gnadenlos sein!

00:03:19: Denn wer Zeit hat muss sich irgendwann fragen womit er sie füllt und noch unangenehmer wäre es wenn niemand anderes sie mehr füllt.

00:03:30: Das klingt nach großer Philosophie, ist aber im Alltag sehr konkret.

00:03:35: Der erste Monat ist oft noch angenehm Ausschlafen, Dinge erledigen.

00:03:39: Die liegen geblieben sind, Keller aufräumen, Versicherungen prüfen – mal wieder zum Arzt!

00:03:44: Ein paar alte Kontakte anrufen vielleicht eine Reiseplanen, vielleicht auch nur so tun als würde man eine planen.

00:03:51: Dann kommt der zweite Monat und der dritte.

00:03:55: Irgendwann ist der Keller aufgeräumt die Unterlagen sind sortiert, die Werkstatt ist neu beschriftet, der Garten sieht aus, als hätte ihr Angst bekommen….

00:04:03: Und dann?

00:04:05: Dann kommt diese seltsame Lücke.

00:04:07: Nicht jeden Tag nicht immer, aber regelmäßig genug um sie nicht mehr übersehen zu können.

00:04:13: Man steht im Baumarkt vor einem Regal mit Schrauben und merkt, dass man gar nichts braucht!

00:04:19: Man ist nur hingefahren weil der Vormittag sonst zu viel Platz hatte.

00:04:23: Man geht zum Bäcker und führt ein etwas zu langes Gespräch über Brötchen, weil danach erst einmal nichts mehr kommt.

00:04:31: Man liest die Nachrichten gründlicher als früher nicht, weil sie besser geworden wären sondern weil der Tag eine Kante braucht.

00:04:37: Man kommentiert innerlich die Fehler der Welt und denkt, das hätte ich denen auch sagen können.

00:04:43: Nur fragt keiner!

00:04:45: Und genau an dieser Stelle wird es heikeln.

00:04:49: Denn nicht der Ruhestand an sich ist das Problem sondern die Art wie er oft kommt.

00:04:54: Er kommt administrativ sauber und seelisch ziemlich

00:04:57: unvorbereitet.".

00:04:59: Der Rentenbescheid kommt, der Vertrag ändert die Kollegin sammelt für ein Geschenk.

00:05:03: Der Nachfolger wird eingearbeitet und die Personalabteilung findet Worte wie verdient, langjährig oder herzlich.

00:05:10: Und dann steht da ein Mensch, der offiziell frei ist und innerlich noch nicht umgezogen.

00:05:16: Der Körper ist im Hochstand – der Kopf?

00:05:19: Noch nicht!

00:05:20: Deshalb landet die alte Arbeitsweise plötzlich zu Hause bei den Kindern im Verein, beim Handwerker in der Hausgemeinschaft, beim W-Land der Tochter, beim Rasen des Nachbarn.

00:05:31: Problem erkannt, Lösung suchen, Kontrolle herstellen, Zuständigkeit übernehmen, Ergebnis prüfen – nur ist niemand mehr verpflichtet dankbar zu sein!

00:05:41: Das ist eine der großen Kränkungen dieses Übergangs.

00:05:44: Die eigene Kompetenz bleibt aber ihr offizieller Ort verschwindet und dann beginnt die Suche nach Ersatzbühnen.

00:05:52: Manche finden sie im Ehrenamt.

00:05:54: Das kann großartig sein, wenn es wirklich passt.

00:05:57: Wenn das nicht nur die Fortsetzung der alten Rolle mit anderen Mitteln ist!

00:06:02: Manche finden sie in Projekten – ein Haus renovieren, einen Boot kaufen, ein Buch schreiben eine kleine Beratung aufbauen und den Garten zu einer botanischen Kampfansage erklären.

00:06:12: Auch das kann gut sein.

00:06:15: Manchefinden Sie in der Familie?

00:06:17: Das ist schon riskanter Denn Familie ist kein Unternehmen, auch wenn einige Väter und Großvater das bis heute für ein Gerücht halten.

00:06:25: Die erwachsenen Kinder wollen nicht immer Beratung.

00:06:28: Manchmal wollen sie nur erzählen – manchmal wollen sie auch gar nichts erzählen!

00:06:32: Das ist besonders schwer zu akzeptieren, wenn man jahrzehntelang davon überzeugt war dass ein guter Rat von einem selbst immer noch besser ist als gar keinen Rat.

00:06:41: Dann sitzt da ein Vater der helfen will und eine Tochter die nur denkt bitte nicht schon wieder die Exeltabelle.

00:06:48: Der Sohn sagt, Papa ich melde mich und der Vater hört du wirst nicht gebraucht.

00:06:54: Das muss nicht stimmen aber es kann sich so anfühlen.

00:06:58: auch in Beziehungen wird der Übergang selten hübsch.

00:07:01: Solange beide beschäftigt waren konnte man nebeneinander funktionieren.

00:07:06: er hatte seinen Bereich sie ihren.

00:07:08: die Tage hatten Bewegung abends war man müde am Wochenende gab es Erledigungen Dann ist plötzlich einer oder sinkt sogar beide zu Hause und er sattst.

00:07:20: Jetzt haben wir endlich Zeit füreinander, klingt nur so lange schön bis man merkt das Zeit allein noch keine Nähe bedeutet!

00:07:28: Man kann auch den ganzen Tag gemeinsam im Haus sein und sich trotzdem ausweichen – oder sich gerade deshalb auf die Nerven gehen?

00:07:36: Er stellt Fragen, die keine sind.

00:07:38: Wo ist denn der große Topf?

00:07:40: Warum steht es denn

00:07:41: da?!

00:07:42: Warum müssen wir das so

00:07:43: machen!?

00:07:44: Sie antwortet beim ersten Mal.

00:07:47: Beim zweiten mal knapper, beim dritten mal mit diesem Ton den Männer gern plötzlich gereizt nennen.

00:07:53: Plötzlich ein schönes Wort!

00:07:56: Es bedeutet oft ich habe die Vorgeschichte nicht mitbekommen.

00:08:00: Der Ruhestand kann eine Ehe nicht reparieren nur weil zeitfrei wird.

00:08:05: er macht eher sichtbar was vorher im Tag des Alltags unterging.

00:08:11: Wenn nichts miteinander anfangen konnte, hat jetzt mehr Gelegenheit dazu.

00:08:16: Das ist nicht unbedingt ein Fortschritt!

00:08:18: Aber es ist ehrlich – für allein lebende Männer ist der Übergang noch einmal anders.

00:08:23: Da gibt es keinen Küchentisch an dem jemand sitzt und sagt «Du bist heute aber früh wach».

00:08:29: Da gibt's keine beiläufige Korrektur, keine gemeinsamen Abendessen, keine zweite Person die merkt, dass der Tag seltsam leer war.

00:08:39: Allein leben kann Freiheit sein sehr sogar.

00:08:42: Aber wenn Arbeit bis hin die Hauptquelle für Kontakt, Rhythmus und Bedeutung war dann wird es nach dem Ausstieg stiller als man erwartet hatte.

00:08:53: nicht unbedingt einsam im großen drastramatischen Sinn eher dünn.

00:08:57: Die Woche verliert Kontur.

00:09:00: Montag unterscheidet sich kaum von Donnerstag.

00:09:03: Samstag hat nicht mehr diesen alten Glanz weil man sich nicht mehr etwas erholen muss.

00:09:08: Sonntag ist nicht mehr Ende der Erholung, sondern nur ein weiterer Tag mit geöffneten Bäckereien bis

00:09:13: elf.".

00:09:15: Und dann sagt einer – Ich habe doch zu tun!

00:09:18: Natürlich hat er zu tun.

00:09:20: Man kann immer etwas tun.

00:09:22: Den Wagen waschen die Werkzeuge, sortieren den Stromanbieterwechsel, den Balkon reinigen und die Steuerunterlagen vorbereiten, obwohl der Termin noch Monate entfernt ist.

00:09:32: Alles nützlich.

00:09:34: Und trotzdem bleibt die Frage Wofür stehe ich morgens auf, wenn nichts mehr wirklich von mir abhängt?

00:09:41: Diese Frage klingt pathetisch.

00:09:43: Deshalb wird sie selten gestellt!

00:09:46: Sie wird verkleidet in Ärger über Politik, in Kritik an der jungen Generationen, in Kommentare über Arbeitsmoral – in sehr genaue Beobachtung darüber das heute keiner mehr richtig telefonieren kann.

00:09:59: Das mag alles einen wahren Kern haben, manchmal sogar mehrere und darunter liegt oft etwas anderes.

00:10:08: Die Welt hat weitergemacht und man selbst sucht den neuen Platz darin – nicht als Chef, nicht als Versorger oder Fachmann auf Abruf, sondern als Mensch.

00:10:23: Natürlich ist man noch jemand!

00:10:25: Aber es fühlt sich nicht automatisch so an.

00:10:28: Genau da beginnt die eigentliche Arbeit.

00:10:31: Nicht die Suche nach mehr Beschäftigung, sondern die Frage welche Bedeutung Nicht an die alte Rolle gebunden ist.

00:10:39: Und trotzdem wäre es zu einfach den Ruhestand nur als Verlustgeschichte zu erzählen, denn nicht jeder leere Kalender ist eine Katastrophe.

00:10:50: Manchmal ist auch eine Zumutung mit Potenzial!

00:10:53: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten steht nicht mehr alles fest – das ist vielleicht unangenehm aber es ist auch ein Gelegenheit Nicht für große Neuerfindungen mit Leinenhose und Aquarellkurs, wenn einem beides nicht liegt.

00:11:08: Sondern für eine nüchterne Prüfung!

00:11:11: Was fehlt wirklich?

00:11:13: Fehlt die Arbeit selbst oder fehlt der tägliche Beweis das man gebraucht wird?

00:11:18: Fehlen die Kollegen oder fehlt nur das Gefühl dazu zu gehören?

00:11:23: Fehle die Verantwortung oder fehlt die alte Ausrede keine Zeit für andere zu haben?

00:11:29: Das sind kleine Fragen Aber sie sind brauchbarer als der Versuch, jeden Vormittag mit Betriebsamkeit zu füllen.

00:11:38: Ein Mann, der das Ernst nimmt muss nicht sofort sein ganzes Leben neu entwerfen – er kann kleiner anfangen!

00:11:46: Mit einem festen Termin pro Woche, den nicht Pflicht ist.

00:11:50: Mit einem Menschen, denen er nicht aus Gewohnheit trifft sondern aus Interesse, mit einer Aufgabe bei der er gebraucht wird ohne wieder alles zu übernehmen Mit einem Lernfeld, in dem er nicht sofort der Beste sein muss.

00:12:06: Das klingt bescheiden!

00:12:08: Ist es aber nicht?

00:12:10: Wer vierzig Jahre lang kompetent war braucht Mut wieder Anfänger zu sein.

00:12:15: Da ist zum Beispiel der frühere Geschäftsführer.

00:12:17: Er könnte sofort wieder loslegen – natürlich könnte er.

00:12:21: Er kennt Leute und hat Erfahrung.

00:12:23: Er hat diesen Ton bei dem jüngere Menschen automatisch etwas gerader sitzen.

00:12:28: Nach dem Ruhestand bekommt er zwei Anfragen für Beiräte, eine Einladung in einen Wirtschaftsklub und das Angebot junge Gründer zu beraten.

00:12:37: Früher hätte er alles angenommen – nicht aus Geldnot, aus Reflex!

00:12:42: Jetzt sagt es nur zu einem einzigen Projektjahr.

00:12:46: Einmal im Monat, zwei Stunden, Jungegründer, keine operative Macht, kein Kontrollrecht, nur

00:12:52: Erfahrung.".

00:12:54: Er sitzt dort, hört zu, sagt drei kluge Sätze und geht wieder.

00:12:58: Das Schwerste daran ist nicht die Beratung – das Schwereste ist dass die jungen Leute danach nicht alles so machen wie er es vorgeschlagen hat.

00:13:06: Früher hätte ihn das wahnsinnig gemacht!

00:13:09: Heute lernt er Erfahrung anzubieten, ist nicht dasselbe wie das Steuer zu übernehmen.

00:13:15: Und das ist sein Fortschritt.

00:13:19: Ein anderer Mann?

00:13:21: Er isst verwirrt wird.

00:13:22: Früher war er dauernd beschäftigt.

00:13:24: Er ist beruf, dann krankert der Frau, dann Organisationen, Ärzte, Medikamente, Pflegegrad, Haushalt, Finanzen, Beerdigung und Danksagungen – ein Leben als Abfolge von Zuständigkeiten.

00:13:35: Nach dem Tod seiner Frau ist er nicht nur traurig, er isst auch entlassen aus einem Dienst den kaum jemand gesehen hat!

00:13:42: Die ersten Wochen kommen Menschen, dann weniger… Dann fast keiner mehr.

00:13:49: Er könnte jetzt zehn Dinge

00:13:51: beginnen.".

00:13:51: Chor, Sportgruppe-Reiseklub, Tabletchors, Museumsverein – das wäre alles möglich.

00:13:58: Er macht etwas Kleineres!

00:14:01: Jeden Donnerstag Mittag, Mittagessen mit einem alten Bekannten.

00:14:06: Kein Männerkreis, kein Gespräch über Gefühle mit Namensschild und Mineralwasser nur Mittag Essen.

00:14:12: Am Anfang reden Sie über Politik, Krankheiten und den miserablen Zustand der Bahn also über die drei klassischen Schutzgebiete männlicher Nähe.

00:14:21: Nach sechs Wochen reden sie über ihre Frauen.

00:14:24: Nichts Dramatisches, nicht tränenreich – eher unberufen aber immerhin!

00:14:29: Ein fester Donnerstag kann mehr verändern als ein übervölter Wochenplan.

00:14:34: Nicht weil Mittagessen eine Lösung ist sondern weil Wiederholung Vertrauen baut und weil ein Mann manchmal nicht mehr braucht als einen Ort an dem er regelmäßig erwartet wird.

00:14:46: Dann gibt es den ehemaligen Chefarzt Ein Mann, der sein ganzes Berufsleben lang wusste was zu tun war.

00:14:53: Er betrat Räume und alle wussten jetzt kommt Kompetenz!

00:14:57: Im Ruhrstand meldte er sich zu einem Kochkurs an – nicht weil er sich neu erfinden will, er hat nur gemerkt dass er seit Jahren drei Gerichte kocht und zwei davon eigentlich seiner Ex-Frau gehörten.

00:15:10: Beim ersten Termin steht er zwischen einer Steuerberaterin, einem pensionierten Lehrer und einer Frau die Fenchel schneidet als habe sie eine persönliche Abrechnung damit.

00:15:19: Niemand interessiert sich dafür das er früher Chefarzt war!

00:15:23: Niemand fragt nach seiner Laufbahn – niemand braucht seine Entscheidung.

00:15:28: Und dann erklärt ihm eine dreißigjährige Kursleiterin dass er die Zwiebeln zum Grupp schneidet.

00:15:34: Eine Zumutung oder ein Anfang?

00:15:39: Je nachdem wie viel von der alten Rolle noch verteidigt werden muss.

00:15:43: Beim dritten Termin lacht er über sich selbst, beim fünften bringt er Wein mit, beim siebten lädt er zwei Menschen aus dem Kurs zum Essen ein – nicht spektakulär aber neu!

00:15:53: Vielleicht beginnt ein anderer Lebensabschnitt nicht mit großen Erkenntnissen?

00:15:58: Vielleicht beginnet er mit zu grob geschnittenen Zwiebeln?

00:16:02: Auch das muss man erst einmal gelten

00:16:05: lassen.".

00:16:06: Das positive am Ruhestand liegt selten dort, wo die Broschüren es vermuten.

00:16:10: Nicht im ewigen Reisen, nicht im Dauergolf, nicht in diesem geröstlich munteren Satz – jetzt genieße ich erst mal!

00:16:18: Man muss nicht alles genießen.

00:16:20: Man darf auch erstmal sortieren.

00:16:22: Der Ruhbestand kann eine Gelegenheit sein genauer zu werden.

00:16:26: Was ist Pflicht?

00:16:27: Was ist Gewohnheit?

00:16:29: Was is

00:16:29: Flucht?!

00:16:30: Was is wirklich Mainz?

00:16:33: Das klingt

00:16:33: einfach."

00:16:34: ist aber eine der härtesten Prüfungen nach einem langen Berufsleben, denn im Beruf wurde vieles von außen entschieden.

00:16:52: Jetzt muss man selbst entscheiden und ausgerechnet darin liegt die Zumutung!

00:16:59: Freiheit verlangt mehr Selbstführung als Termindruck – Termindruck ist lästig, aber bequem.

00:17:05: Er sagt einem, was als nächstes dran ist.

00:17:08: Freiheit fragt nur und jetzt?

00:17:12: Deshalb braucht dieser Übergang nicht mehr Kalenderdisziplin sondern bessere Unterscheidung.

00:17:18: Man kann zum Beispiel eine Woche lang sehr nüchtern beobachten welche Termine geben mir Energie?

00:17:25: Welche Termine sollen nur beweisen das ich noch beschäftigt bin?

00:17:29: Mit wem treffe Ich mich gern?

00:17:31: wen treffe ich nur weil wir das immer so gemacht haben?

00:17:36: Wo werde ich gebraucht, ohne dass ich mich verliere?

00:17:40: Wo mache ich mich wichtig, weil ich die Lehre nicht mag.

00:17:45: Das ist keine Therapie – das ist eine Inventur!

00:17:49: Und Inventure ist Männern vertraut.

00:17:52: Man zählt was da ist, man prüft was fehlt, man wird weg, was abgelaufen ist – zumindest theoretisch.

00:18:00: In deutschen Kellern sieht die Sache bekanntermaßen anders aus….

00:18:03: Aber innerlich wäre so eine Inventur hilfreich, denn nicht jeder volle Tag ist ein guter Tag und nicht jeder ruhige Tag ist kein verlorener Tag.

00:18:12: Vielleicht beginnt ein brauchbarer Ruhestand mit ein paar sehr einfachen Entscheidungen – einen Menschen anrufen den man nicht braucht sondern mag!

00:18:22: Eine Aufgabe abgeben obwohl man sie besser könnte.

00:18:27: Eine neue Sache beginnen bei der man ausdrücklich NICHT zuständig.

00:18:33: Einmal pro Woche an einen Ort gehen, an dem niemand die alte Berufsrolle kennt.

00:18:38: Ein Gespräch führen ohne sofort einen Rat zu erteilen – eine Einladung ablehnen, die nur aus alter Pflicht angenommen worden wäre.

00:18:47: Einen Vormittag nicht sofort nützlich machen und vielleicht den Satz üben der vielen Männer schwerer Feld als jede Vorstandssitzung?

00:18:59: Ich weiß noch nicht wie ich das mache!

00:19:04: Das ist kein Zusammenbruch, das ist ein Anfang.

00:19:07: Denn der Satz Ich bin doch noch nicht fertig Kann zweierlei bedeuten.

00:19:13: Er kann heißen ich will meine alte Bedeutung zurück Dann wird es eng denn die alte Beteutung kommt meist Nicht zurück.

00:19:23: Man kann sie erzwingen aber man wird Aber.

00:19:26: dann wird man schnell zu einem Mann Der immernoch glaubt jedes Familienessen brauche einen Vorsitzenden.

00:19:33: oder der Satzh heißt Ich bin noch nicht fertig mit meinem

00:19:38: Leben.".

00:19:39: Dann beginnt etwas anderes.

00:19:42: Nicht Rückkehr, Fortsetzung!

00:19:45: Nicht die alte Bühne zurückholen – nicht aus jedem Ehrenamt ein Ersatzbüro machen.

00:19:50: Nicht die erwachsenen Kinder führen als säßen sie noch am Küchentisch mit Schulrandsen.

00:19:55: Sondern prüfen.

00:19:56: Was verdient noch meine Zeit?

00:19:59: Wer verdient doch meine

00:20:00: Aufmerksamkeit?!

00:20:02: Welche Konflikte müssen nicht mehr geführt werden?

00:20:06: Welche Menschen fehlen wirklich?

00:20:09: Was habe ich immer verschoben, weil ich wichtig war?

00:20:14: Vielleicht kommt dabei eine unangenehme Erkenntnis.

00:20:17: Man war nicht immer wichtig!

00:20:20: Man war oft nur beschäftigt – das ist bitter aber auch befreiend.

00:20:24: Denn Beschäftigung kann man verlieren.

00:20:26: Bedeutung kann man neu bauen.

00:20:29: Nicht groß, nicht perfekt, nicht mit zehn Jahresplan und Flipchart.

00:20:33: Vielleicht beginnt es mit einem einzigen ehrlichen Satz.

00:20:37: Ich weiß noch nicht, wie das wird.

00:20:41: Das wäre schon viel!

00:20:43: Ein Mann der das sagen kann ist nicht schwach – er ist genauer als vorher.

00:20:47: Der Ruhestand ist kein Beweis dafür, dass man fertig ist.

00:20:51: Er ist nur der Moment in dem die alte Form nicht mehr trägt und dann braucht es eine neue.

00:20:57: Nicht sofort, nicht perfekt.

00:20:59: Nicht mit diesem übermotivierten Ton Mit den Broschüren einem erklären wie aktiv und erfüllend die dritte Lebensphase sein kann Sondern nüchtern.

00:21:08: Ich bin nicht fertig Aber ich muss auch nicht zurück.

00:21:11: Das ist der Satz auf den es ihr ankommen könnte.

00:21:15: Vielleicht langsamer Vielleicht wählerischer Vielleicht klarer Vielleicht endlich ohne das dauernde Bedürfnis Gebraucht zu werden Denn gebraucht werden ist nicht dasselbe wie geliebt werden und beschäftigt sein ist nicht das selbe, wie lebendig sein.

00:21:31: Wer dann sagt ich bin doch noch nicht fertig?

00:21:35: Hat wahrscheinlich recht!

00:21:38: Aber vielleicht muss er nicht zurück in das Leben, das ihn groß gemacht hat.

00:21:42: Vielleicht darf er endlich in eines hinein wachsen, das besser zu ihm passt.

00:21:46: Nicht spektakulär, nicht junger, nicht lauter, nicht dauernd optimiert nur echter mit weniger Pflichten mit weniger Bühne, mit weniger automatischer Zuständigkeit und mit mehr Raum für das was nicht im Kalender stehen muss um zu zählen.

00:22:04: Danke fürs Zuhören!

00:22:07: Wenn Sie diesen Podcast regelmäßig hören abonnieren sie ihn gern auf ihrer Plattform.

00:22:12: Und wenn Ihnen diese Folge gefallen hat hilft eine Bewertung mehr als man denkt.

00:22:17: Nicht aus Eitelkeit sondern damit dieser Podcast dort auftaucht wo Männer ihn vielleicht nicht gesucht aber gebraucht hätten.

00:22:26: Ich bin Fina Engels und freue mich auf nächsten Sonntag ab.

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