Warum Männer erst zum Arzt gehen, wenn der Körper verhandelt

Shownotes

In dieser Folge geht es um den Moment, in dem der Körper längst etwas sagt, der Mann aber noch beschäftigt ist, es umzubenennen.

Themen dieser Folge:

Warum kleine körperliche Veränderungen oft lange relativiert werden Warum „In meinem Alter hat man halt was“ bequem, aber gefährlich werden kann Weshalb ein Arzttermin für manche Männer mehr ist als ein Arzttermin Was Scham, Kontrolle und Selbstbild mit Vorsorge zu tun haben Warum der Körper ab 60 nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein biografisches Thema ist Und warum Klären, Einordnen und Weitergehen manchmal die erwachsenste Form von Stärke ist

Der Podcast „Was vom Manne übrig bleibt“ richtet sich an Männer 60+, die viel erreicht haben und sich fragen, wie es jetzt weitergeht. Ruhig, direkt, mit psychologischem Blick und ohne erhobenen Zeigefinger.

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00:00:01: Warum Männer erst zum Arzt gehen, wenn der Körper verhandelt?

00:00:05: Über Blutdruck, Knie, Müdigkeit und die männliche Gewohnheit beschwerden es dann ernst zu nehmen, wenn sie nicht mehr höflich bleiben.

00:00:14: Zuerst ist es nur eine Treppe – eine, die plötzlich steiler geworden ist… Dann ein Hemdkragen der Enger sitzt obwohl das Hemd angeblich eingelaufen ist … Dieg ein Knie dass sich beim Aufstehen meldet als hätte es eine eigene Rechtsabteilung….

00:00:28: Ein Blut druckwert dem man Erstmal beobachtet.

00:00:31: Eine Müdigkeit, die man nicht Müdigkeiten nennt sondern viel um die Ohren.

00:00:35: und dann sitzt da ein Mann sagen wir Anfang Mitte Ende sechzig und erklärt sich die Lage Es war viel los Das Wetter schlägt um Die Matratze ist nicht mehr gut der Orthopäde übertreibt sowieso.

00:00:49: Der Hausarzt will immer gleich ein großes Blutbild Und dieser Blutdruck naja...der war früher auch mal höher.

00:00:57: Der Körper meldet sich und der Mann nennt es erst einmal gar nichts.

00:01:02: Dann ist der interessanteste Punkt!

00:01:06: Nicht der Blutdruck allein, nicht das Knie, nicht der Bauch, nicht die Möglichkeit sondern die Frage warum wird so lange verhandelt bevor hin gesehen wird?

00:01:15: Warum wird aus einem Warnzeichen erst eine Kleinigkeit, dann ein lästiger Umstand?

00:01:19: Dann eine Phase und irgendwann ein Problem das plötzlich dringend ist.

00:01:23: Vielleicht weil der Körper für Männer einer bestimmten Generation lange vor allem eines sein sollte – zuverlässig!

00:01:31: Er sollte funktionieren, tragen, leisten, durchhalten nicht stören.

00:01:37: Der Körper war kein Gesprächspartner er war ein Werkzeug.

00:01:40: Ein Werkzeug fliegt man wie leicht.

00:01:43: Man bringt es zum TÜV, man lässt es warten und stellt es auf die Werkbank.

00:01:49: Beim eigenen Körper wird es komplizierter.

00:01:52: Da geht es nicht nur um Vorsorge, da geht es um Selbstbild!

00:01:55: Denn ein Mann der jahrzehntelang stark zuständig belastbar und verfügbar war hört nicht gerne dass sein Körper jetzt Mitsprache verlangt.

00:02:05: Das passt nicht ins Bild.

00:02:07: Der Körper soll bitte mitmachen – nicht kommentieren.

00:02:10: Er soll morgens aufstehen, die Zeitung holen Autofahren, Koffer tragen, Enkel hochheben, Bein entkorkn, Reisen überstehen beim Umzug helfen und sich ansonsten diskret im Hintergrund halten.

00:02:21: Nur macht er das irgendwann nicht mehr?

00:02:24: Irgendwann wird der unhöflich!

00:02:27: Das Knie reuspert sich nicht mehr – es widerspricht.

00:02:30: Der Rücken macht keine Andeutung mehr, er legt sich quer.

00:02:33: Den Blutdruck bittet nicht um Aufmerksamkeit, er stellt einen Antrag.

00:02:39: Verabschiedet sich nicht elegant, er bleibt einfach aus und dann beginnt die große männliche Diplomatie.

00:02:46: Das geht schon wieder weg!

00:02:49: Ich muss nur wieder mehr laufen.

00:02:51: Ich brauche keinen Arzt, ich brauche Urlaub – das ist nichts.

00:02:54: In meinem Alter hat man halt

00:02:56: was.".

00:02:57: Dieser letzte Satz ist besonders praktisch….

00:03:00: in meinem Alter HAT MAN HALT WAS?

00:03:03: Damit kann man fast alles erklären und muss gleichzeitig nichts verändern... Er klingt vernünftig, fast gelassen.

00:03:10: Ein bisschen altersweise.

00:03:12: In Wahrheit ist er oft ein Vermeidungsmanöver mit grauen Schläfen.

00:03:17: Der natürlich verändert sich der Körper.

00:03:19: Natürlich ist mit Sechzig oder Siebzig nicht alles wie mit Vierzig!

00:03:23: Die Frage ist nur wird daraus Aufmerksamkeit oder Gleichgültigkeit?

00:03:28: Es gibt einen Unterschied zwischen Akzeptanz und Vernachlässigung.

00:03:32: Akzeptant sagt ich sehe was isst und gehe vernünftig damit um.

00:03:37: Von Nachlässigung sagt, ich nenne es Alter und tu nichts.

00:03:42: Dazwischen liegt ein ganzes Männerleben Und oft auch eine Ehe Eine Ex-Frau, eine Partnerin, eine Tochter Ein Sohn die irgendwann sagen Geh doch bitte mal zum Arzt.

00:03:54: Dieser Satz ist heikel Er klingt fürsorglich Wird aber gern gehört wie ein Angriff.

00:04:00: Jetzt übertreibt man nicht.

00:04:02: Ich bin doch kein Pflegefall.

00:04:04: Du machst aus allem einen Drama.

00:04:07: Ich kenne meinen Körper.

00:04:09: Wirklich?

00:04:11: Das ist eine gute Frage, kennt er seinen Körper wirklich?

00:04:15: oder kennt er nur die alte Version – die belastbare Version, die Version, wie wenig Schlaf brauchte, viel Kaffeevertrug, Stress wegsteckt und nach drei Tagen wieder funktionierte.

00:04:26: Vielleicht kennt er sein Körper von früher aber nicht den von heute!

00:04:31: Und der Körper von heute hat andere Bedingungen.

00:04:35: Er nimmt einem nicht alles übel, aber er vergisst auch nicht mehr so viel.

00:04:50: Nicht vom früheren Status, nicht vom Kontostand.

00:05:02: Nicht davon das einer jahrzehntelang Entscheidungen getroffen hat!

00:05:06: Nicht davon dass der Kalender früher voll war und das Telefon nicht schiel stand.

00:05:11: Der Körper fragt nicht.

00:05:12: Waren sie wichtig?

00:05:14: Er fragt... Wie behandeln Sie

00:05:16: sich?!

00:05:17: Das ist eine unangenehme Frage denn sie lässt sich nicht delegieren.

00:05:22: Man kann die Steuer machen lassen, das Auto in die Werkstatt bringen.

00:05:25: Die Heizung warten lassen den Garten pflegen lassen sogar die eigene Website.

00:05:31: Aber den eigenen Körper kann man nicht an jemanden auslagern.

00:05:35: Man kann ihn ignorieren eine Weile.

00:05:37: Man kan ihn überreden manchmal.

00:05:40: Man can ihn mit Schmerz-Tabletten ruhig stellen kurz aber man kann ihm nicht dauerhaft kündigen.

00:05:47: Er bleibt.

00:05:48: Und genau deshalb ist der Arzttermin für manche meiner mehr als ein Arztermin, er isst eine kleine Kapitulation – nicht vor einer Krankheit sondern vor der Vorstellung immer noch alles im Griff zu haben!

00:06:01: Man betritt eine Praxis setzt sich ins Wartezimmer nimmt eine Zeitschrift von zwei tausend neunzehnt in die Hand und es plötzlich nicht mehr.

00:06:08: der Entscheider.

00:06:17: Einer mit dem etwas ist, einer der warten muss.

00:06:20: Einer, der gefragt wird seit wann die Beschwerden bestehen.

00:06:23: Eine, der seinen Körper nicht mehr als Selbstverständlichkeit behandeln kann.

00:06:28: Da isst Scham im Spiel – nicht große dramatische eher diese kleine trockene Scham, die sich hinter Setzen versteckt wie….

00:06:36: Ach so schlimm ist es nicht!

00:06:37: Ich wollte nun mal Sicherheitshalber fragen.

00:06:40: Meine Frau hat gesagt ich soll kommen.

00:06:43: Eigentlich hab' ich gar nix...

00:06:45: eigentlich.".

00:06:46: Dieses Wort müsste man in Wartezimmern verbieten, denn hinter eigentlich beginnt oft die Wahrheit.

00:06:52: Eigentlich bin ich müde, eigentlich schlafe ich schlecht, eigentlich habe ich Angst!

00:06:57: Eigentlich merke ich das etwas anders ist, eigentlich will ich nicht wissen ob es ernst ist und deshalb wird gewartet – nicht auf Besserung sondern auf Eindeutigkeit.

00:07:08: Man geht nicht wenn der Körper flüstert, man geht wenn er nicht mehr höflich

00:07:13: bleibt.".

00:07:14: Wenn der Schmerz stärker wird, wenn die Treppe nicht mehr nur nervt sondern zwingt.

00:07:18: Wenn die Werte nicht mehr ein bisschen erhöht sind... ...wenn jemand in der Familie Druck macht, wenn der Körper verhandelt und die Konditionen verschärft.

00:07:26: Dabei wäre die elegante Lösung ziemlich nüchtern!

00:07:30: Früher hingehen – Nicht panisch, nicht hippochondrig, nicht mit jedem zwicken Sondern erwachsen.

00:07:38: Erwachsen heißt nicht alles aushalten Erwachsen heißt rechtzeitig Verantwortung übernehmen.

00:07:45: Das klingt nüchtern, ist es eigentlich auch!

00:07:48: Ein Arzttermin ist keine Schwäche – er isst.

00:07:50: Verwaltung, Körperverwaltung nicht sexy, nicht heroisch und besonders poetisch aber sinnvoll.

00:07:57: Blutdruckmessen, Laborwerte prüfen, Haut anschauen lassen, Prostatan nicht zum Tabuthema erklären, Schlaf ernst nehmen, Gewicht nicht nur an der Hose ablesen, Atemnot muss wieder mehr Machen wegreden und Schmerzen nicht als Charaktertest behandeln.

00:08:15: Das ist keine Einladung zur Angst, das ist eine Einladungen zur Ordnung und Ordnung – das müsste Männer eigentlich liegen!

00:08:23: Der gleiche Mann der sein Auto regelmäßig warten lässt seine Versicherungsunterlagen alphabetisch sortiert und bei der Steuer jeden Beleg findet könnte theoretisch auch einmal im Jahr nüchtern auf seinen Körper schauen lassen.

00:08:35: Theoretisch Praktisch hat das Auto oft einen besseren Wartungsplan als der Mensch, der es fährt.

00:08:43: Das ist doch absurd!

00:08:45: Beim Auto wird nicht lange diskutiert.

00:08:47: Inspektion wird gemacht.

00:08:49: Reifendruck wird geprüft.

00:08:51: Ölstand selbstverständlich.

00:08:53: Warnlampe Werkstatt.

00:08:55: Beim Körper sieht es anders aus.

00:08:57: Wernlampe?

00:08:58: Ach!

00:08:59: Reifedruck wird schon... Öl stand ich trinkt doch Kaffee.

00:09:03: In Spektion Nach dem Urlaub.

00:09:05: Und dann wundert sich einer, wenn der Motor irgendwann Geräusche macht.

00:09:09: Natürlich hängt der Vergleich!

00:09:11: Menschen sind keine Maschinen.

00:09:13: Genau deshalb reichen wir schadliches Denken auch nicht aus.

00:09:16: Der Körper ist nicht nur Technik – er isst Geschichte.

00:09:20: Er trägt Nächte, Verluste, Trennung und Stress, Ehrgeiz, verschobene Gefühle, schlechte Gewohnheiten gute Ausreden... ...Er trägt das was einer geleistet hat.

00:09:31: Und manchmal auch das?

00:09:33: was er nie verarbeitet hat.

00:09:36: Deshalb ist der Körper ab sechzig nicht nur ein medizinisches Thema, er isst ein biografisches Thema!

00:09:43: Er erzählt wie jemand gelebt hat – wie er mit Grenzen umging, wie er Schwäche bewertete, wie ihr Fürsorge gelernt oder nicht gelernt hat.

00:09:52: Und hier wird es interessant, denn wer gelernt hat das einen Mann nicht jammert, hat oft nicht gelernt zwischen jammern und Wahrnehmen zu

00:10:00: unterscheiden."

00:10:01: Ja, man ist.

00:10:02: Ich kreise um mich und tue nichts.

00:10:05: Wahrnehmend ist ich sehe hin und

00:10:07: handle.".

00:10:08: Das ist ein Riesenunterschied!

00:10:11: Ein Mann der sagt, da stimmt etwas nicht – ich lasse das prüfen?

00:10:15: Ist nicht weich.

00:10:16: Er ist klar.

00:10:18: Er macht aus dem Körper keinen Feind.

00:10:19: Er mach den auch nicht zum Mittelpunkt des Lebens.

00:10:22: Er nimmt ihn ernst genug damit er nicht irgendwann das ganze Leben übernehmen muss.

00:10:27: Denn genau das passiert wenn du zu lange… Nichts Hinschaust!

00:10:33: Dann wird aus dem ignorierten Körper plötzlich ein dominanter Körper.

00:10:37: Er bestimmt den Tag, er bestimmt die Wege, er bestimmte Stimmung, er bestimmt was noch geht und was nicht mehr geht.

00:10:45: Das ist die eigentliche Pointe.

00:10:48: Wenn ihn Körper lange nicht ernst nimmt gibt ihm am Ende mehr Macht und nicht weniger.

00:10:53: Früher Aufmerksamkeit erhält Spielraum Späterein sich kostet oft Freiheit Und das ist kein moralischer Satz.

00:11:03: Das ist ein praktischer!

00:11:05: Und vielleicht braucht diese Folge genau diese Nüchternheit, nicht geht zum Arzt und sonst passiert etwas Schlimmes sondern geht zum arzt damit dein Leben nicht kleiner wird nur weil du zu lange so getan hast als wäre nichts?

00:11:20: Das is'n anderer Ton.

00:11:22: Keiner hobner Zeigefinger eher einen Blick über den Brillenrand.

00:11:26: Man kann das sogar mit Würde sagen.

00:11:29: Ein erwachsener Mann darf seinen Körper ernst nehmen, ohne aus jedem Symptom ein Drama zu machen.

00:11:36: Er darf nachfragen, kontrollieren lassen.

00:11:39: Sagen ich weiß es nicht!

00:11:42: Möde sein, vorsorgen – er darf auch Angst haben, ohne sich davon regieren zu lassen.

00:11:50: Der Satz Ich habe Angst vor dem Ergebnis wäre übrigens ehrlicher als viele ausreden aber er ist schwer.

00:11:58: also sagt man lieber ich habe keine Zeit.

00:12:00: Ich war noch nie der Arzt-Typ, die finden immer irgendwas.

00:12:04: Solange ich morgens aufstehe ist alles gut.

00:12:08: So lange ich morgen aufsteh' auch so ein Satz.

00:12:12: Er klingt robust fast witzig aber ersetzt die Messlatte erstaunlich tief.

00:12:17: nur morgens Aufzustehen ist noch kein Konzept.

00:12:20: Ein Körper soll nicht nur gerade eben funktionieren.

00:12:23: er soll mittragen was noch kommen könnte Reisen, Spaziergänge, Nähe, Enkel, Freundschaft.

00:12:29: Arbeit vielleicht anders als früher Lust am Essen, Lust an Bewegung, Lust am Leben.

00:12:35: Und dafür braucht der Aufmerksamkeit bevor er laut werden muss.

00:12:40: Vielleicht wäre das die neue männliche Souveränität Nicht mehr zu beweisen dass man nichts hat sondern zu wissen was los ist Nicht mehr beschwerden klein zu reden, sondern sie einzuordnen.

00:12:54: Nicht mit den Körper als lästiges Anhängsel zu behandeln, sondern als letzten wirklich treuen Mitarbeiter.

00:13:00: Denn dieser Mitarbeiter hat nie gekündigt – er war immer da!

00:13:06: Das war warum Männer erst zum Arzt gehen wenn der Körper verhandelt.

00:13:11: Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat abonnieren Sie was von meiner übrig bleibt auf Ihrer Podcast-Plattform.

00:13:18: Dann verpassen Sie keine neue Folge und wenn sie den Podcast unterstützen möchten, freue ich mich über eine Bewertung.

00:13:24: Besonders bei Spotify, YouTube oder Apple-Podcasts.

00:13:29: Das hilft sehr dabei dass diese Themen auch von Menschen gefunden werden die vielleicht gerade noch sagen ach das ist bestimmt nichts!

00:13:38: Bis zur nächsten Folge.

00:13:40: Ihre fine Engels.

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