Zur eigenen Beerdigung einladen. Wer kommt?

Shownotes

Ein palliativ erkrankter Mann lädt zu seiner eigenen Beerdigung ein. Nicht nach seinem Tod, sondern zu Lebzeiten.

Diese Folge fragt, was geschieht, wenn Abschied nicht mehr vertagt werden kann. Wer kommt, solange Begegnung noch möglich ist? Wer hält es aus, einem Menschen gegenüberzusitzen, der noch lebt und doch schon Abschied nimmt?

Es geht um Anwesenheit, Beziehung, Ausreden, Endlichkeit und die Frage, bei wem wir vielleicht längst zu spät dran sind, obwohl noch niemand gestorben ist.

Für Männer über sechzig liegt darin noch eine zweite Bilanz: Wen würde ich selbst bitten können, zu kommen? Wer kennt mich wirklich? Und wer hätte Zugang zu mir, wenn es nicht mehr um Funktion, Leistung oder Kontrolle geht?

Eine Folge über Abschied ohne Pathos. Und über die Kunst, nicht erst ernst zu werden, wenn das Leben keine Ausweichmöglichkeit mehr lässt.

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00:00:01: Zur eigenen Beerdigung einladen?

00:00:03: Wer würde kommen.

00:00:06: Wenn eine Einlagungskarte wüsste, was sie auslöst, würde sie vielleicht anders im Umschlag liegen.

00:00:12: Etwas weniger ordentlich etwas weniger höflich.

00:00:14: Vielleicht würde sich sie weigern so harmlos auszusehen Denn manche Einladungen sind keine Einladung.

00:00:20: Sie sind eine Zumutung Nicht weil der Ort unangenehm ist, nicht weil man niemanden kennt.

00:00:26: Nicht weil man überlegen muss was man anzieht sondern weil man plötzlich merkt hier geht es nicht um einen Termin Hier geht es um mich.

00:00:35: Vor einiger Zeit las ich von einem Mann der palliativ erkrankt war.

00:00:39: Er wusste dass seine zeit begrenzt war und er tat etwas Was mich nicht mehr losgelassen hat Er lud zu seiner eigenen Beerdigung ein Zu Lebzeiten Nicht als Gedankenspiel, nicht als morbide Pointe.

00:00:53: Nicht als diese etwas abgenutzte Frage Was würdest du tun wenn du nur noch kurze Zeit zu leben hättest?

00:01:00: Sondern konkret Er lud Menschen ein solange er noch da war.

00:01:07: Da war also eine Einladung Vielleicht auf Papier vielleicht als Nachricht vielleicht ganz schlicht und irgendwo saß ein Mensch last dieser Einladungen und musste entscheiden nicht irgendwann.

00:01:19: jetzt Gehe ich hin.

00:01:21: kann Ich das?

00:01:22: Will ich das?

00:01:23: Oder finde ich sehr gute Gründe, warum es ausgerechnet an diesem Tag leider nicht geht.

00:01:29: Natürlich gibt es solche Gründe – Entfernung, Krankheit, Überforderung, alte Verletzungen, Familiengeschichten die nicht in einem Nachmittag passen.

00:01:36: Nicht jeder der nicht kommt ist kalt.

00:01:39: Nicht Jeder der kommt ist mutig!

00:01:41: Aber die Frage bleibt….

00:01:43: Wer schafft es zu kommen so lange der Anderen noch

00:01:46: lebt?!

00:01:47: Nach dem Tod ist Abschied schwer.

00:01:50: aber er hat eine Form.

00:01:52: Man sieht etwas Dunkles an, man sagt etwas Leises.

00:01:54: Man steht eine Weile herum vielleicht mit einer Tasse Kaffee in der Hand die plötzlich unpassend wirkt.

00:02:00: Man funktioniert sich durch das Ritual.

00:02:03: Rituelle helfen uns wenn wir selbst keine Formel finden.

00:02:07: aber eine Beerdigung zu Lebzeiten?

00:02:10: Da funktioniert das Rittual nicht mehr richtig denn der Mensch sitzt noch im Raum Vielleicht im Rollstuhl, vielleicht blass, vielleicht erstaunlich gefasst.

00:02:19: Vielleicht Humorfall alles als alle anderen.

00:02:22: Vielleicht still!

00:02:24: Er ist nicht Erinnerung.

00:02:26: Er is'n nicht ein Foto.

00:02:28: Er i'st nicht Nachhof.

00:02:29: Er iss da und genau das macht es so schwer.

00:02:34: Eine Menschen zu begegnen der noch lebt und schon Abschied nimmt verlangt mehr als Betroffenheit.

00:02:40: Es verlangts Anwesenheit Richtige wirkliche Anwesenheit Mit Unsicherheit, mit schlechtem Timing und der Angst etwas Falsches zu sagen.

00:02:51: Mit der Unfähigkeit in solchen Momenten elegant zu wirken.

00:02:55: Vielleicht ist genau das Anwesenheit nicht perfekt zu sein Und trotzdem zu kommen.

00:03:02: Viele bleiben nicht fern weil sie nichts fühlen.

00:03:06: Sie bleiben fern Weil sie zu viel fühlen und nicht wissen wohin damit?

00:03:11: Ich möchte ihn so nicht sehen.

00:03:13: ich bin nicht gut in solchen Situationen.

00:03:15: Ich will mir das Bild von früher bewahren.

00:03:17: Ich melde mich lieber noch einmal in Ruhe.

00:03:20: Ich schreibe etwas Schönes, das klingt alles verständlich!

00:03:24: Manchmal ist es auch verständig aber manchmal ist es eine sehr saubere Form der Flucht Denn einem Sterbenden zu begegnen heißt nicht nur dem Tod zu begegneten.

00:03:35: Es heißt der eigenen Hilflosigkeit zu begegen.

00:03:38: man kann nichts reparieren Nichts optimieren Nicht klug einordnen Nicht nachholen was über Jahre nicht stattgefunden hat.

00:03:48: Das klingt wenig.

00:03:50: Für Menschen, die gewohnt sind zu handeln ist es viel – sehr viel!

00:03:54: Und hier beginnt für mich der Punkt an dem diese Geschichte besonders viel mit Männern über sechzig zu tun hat.

00:04:01: Nicht weil Männer weniger fühlen das wäre so einfach und wahrscheinlich falsch aber viele Männer haben gelernt Beziehung über Funktionen zu organisieren.

00:04:10: sie kommen wenn etwas zu entscheiden ist.

00:04:12: Sie helfen, wenn etwas kaputt ist.

00:04:14: Sie fahren, wenn jemand abgeholt werden muss.

00:04:17: Sie erklären, wann jemand eine Lösung braucht.

00:04:20: Das ist nicht nichts.

00:04:22: Es ist oft Liebe in Arbeitskleidung.

00:04:25: Aber was bleibt von Beziehungen?

00:04:27: Wenn es nichts mehr zu erledigen gibt?

00:04:29: Kein Formular kein Auto kein Konto keine Lösung Was bleibt dann?

00:04:35: Ein lebendiger Abschied nimmt einem genau diese Ausweichmöglichkeiten.

00:04:40: Man kommt nicht als Problemlöser, nicht als Manager oder der, der alles im Griff hat.

00:04:44: Nicht als der, den noch schnell eine gute Idee hat!

00:04:47: Man kommt als Mensch und das ist für manche schwerer als jeder Aufgabe.

00:04:52: Vielleicht deshalb sind Beerdigungen nach dem Tod so entlastend?

00:04:55: Sie geben uns Rollen – Angehörige, Freund, Kollege, Nachbar, Trauergast.

00:05:00: Man weiß ungefähr wo man steht, meistens sogar wörtlich.

00:05:04: Bei einer Abschiedsfeier zu Lebzeiten geraten diese Rollen durcheinander.

00:05:09: Der Mensch, um den es geht ist nicht nur Gegenstand der Erinnerung.

00:05:13: Er ist Teilnehmer Zeuge Gastgeber seiner eigenen Endlichkeit.

00:05:18: Das ist ungeheuer und bei aller Härte auch würdevoll Denn diese Einladung sagt ich verschwinde nicht einfach aus meinem Leben.

00:05:27: Ich gestalte den Übergang soweit ich ihn noch gestalten kann.

00:05:31: Man kann das kontrollierend finden.

00:05:33: vielleicht ist Es dass auch ein wenig aber wer palliativ erkrankt ist verliert vieles Kontrolle über den Körper, über Pläne, über Kraft, über Zukunft.

00:05:42: Warum sollte es dann falsch sein an einer Stelle noch einmal zu sagen, diesen Moment möchte ich nicht vollständig dem Zufall überlassen?

00:05:50: Nicht jeder möchte das!

00:05:51: Nicht jeder könnte das!

00:05:52: nicht jede Familie würde es aushalten und es wäre falsch daraus eine neue Erwartung zu machen Als müsste jetzt jeder Mensch noch seine eigene Abschiedsfeier akkuratieren mit Playlist, Ablaufplanen, Redeanteilen und anschließendem kleinen Imbiss.

00:06:06: Das Leben verlangt schon genug Organisation.

00:06:09: Der Tod muss nicht auch ein Event werden Aber die Idee legt etwas frei.

00:06:14: Sie zeigt wie viel wir verschieben Besuche Dank Klärungen Nähe Dass eine Gespräche das seit Jahren im Raum steht Und irgendwann ist aus Verschieben versäumnis geworden.

00:06:25: Dann stehen Menschen am Grab und sagen Dinge, die vielleicht richtig sind.

00:06:29: Nur erreichen sie denjenigen nicht mehr für denen sie bestimmt waren?

00:06:32: Vielleicht ist das der eigentlich Stich dieser Geschichte!

00:06:36: Sie fragt nicht nur Würdest du zu so einer Feier gehen?

00:06:41: Sie fragts Bei wem bist du längst zu schwer dran Obwohl noch niemand gestorben ist.

00:06:46: Vielleicht ist es ein alter Freund bei dem man sich seit Monaten melden wollte Ein Bruder mit dem jedes Gespräch sofort in alte Rollen kippte.

00:06:54: Ein Vater, der schwieriger war als einem lieb ist.

00:06:57: Eine Mutter bei der immer alles zugleich einfach und unmöglich ist.

00:07:02: Ein erwachsenes Kind, den man noch nie gesagt hat – ich weiß!

00:07:06: Ich war nicht immer leicht?

00:07:08: Man muss daraus kein großes Söhnungstheater machen.

00:07:12: Manchmal reicht ein Satz, manchmal einen Besuch, manchmal eine Nachricht ohne Ausrede, manchmal an Anruf, bei dem er nicht sofort zur Tagesuchtung übergeht.

00:07:22: Es geht nicht darum, alles noch einmal aufzuwühlen.

00:07:25: Es geht darum, nicht immer erst dann ernst zu werden wenn das Leben uns dazu zwingt.

00:07:31: Für Männer über sechzig liegt in dieser Geschichte noch eine zweite Frage Nicht nur zu wem müsste ich noch gehen sondern auch wen würde ich selbst einladen?

00:07:42: Nicht zur eigenen Beerdigung Das muss niemand tun.

00:07:45: aber in mein wirkliches Leben.

00:07:47: Wer im Alter bemerkt, dass nur noch wenige Menschen wirklich Zugang haben steht vor einer stillen Bilanz.

00:07:53: Es gab Kontakte Kollegen Einladung Geburtstage Weihnachtskarten.

00:07:57: es gab Menschen die einen kannten.

00:08:00: aber wer könnte einen erreichen?

00:08:02: Wer durfte merken das hinter der souveränen Fassade nicht immer Souveränität war?

00:08:07: Wer wusste was einen krängt?

00:08:09: Wer dürfte bleiben wenn man nicht länzte?

00:08:12: eine Einladungen zum Abschied zeigt nicht nur Wer kommt?

00:08:15: Sie zeigt auch, wen man überhaupt bitten kann zu kommen.

00:08:20: Das ist nüchtern vielleicht auch schmerzhaft!

00:08:23: Aber vielleicht ist es besser diese Frage nicht erst am Ende zu stellen – nicht erst wenn Krankheit alles verdichtet, nicht als der Kalender plötzlich nicht mehr nach Jahren aussieht sondern nach Wochen.

00:08:33: Beziehungen entstehen nicht dadurch dass man im entscheidenden Moment eine Liste durchgeht.

00:08:37: Sie entsteht durch wiederholte kleine Akte von Verlässlichkeit, durch Interesse, Durch Nachfragen, durch Widerspruch und Humor Durch gemeinsame Zeiten, in denen nichts Besonderes passiert und trotzdem etwas wächst.

00:08:50: Wer am Ende kommen soll muss vorher irgendwo gewesen

00:08:53: sein.".

00:08:54: Das klingt hart aber es ist fair – uns schützt vor einer Illusion!

00:08:59: Dass Menschen zu denen man jahrelang kaum Zugang hatte im letzten Moment plötzlich die Rolle erfüllen können, die man ihnen nie gegeben hat.

00:09:07: Manchmal geht das… Menschen überraschen … zum Glück….

00:09:11: Aber man sollte sein Leben nicht ausschließlich auf diese Überraschung bauen.

00:09:15: Darum ist diese Geschichte für mich keine Geschichte über einen ungewöhnlichen Mann, der eine ungewönliche Feier plante.

00:09:21: Sie ist eine Frage an die Lebenden!

00:09:26: Für den Coaching-Teil dieser Folge möchte ich Ihnen keine Übung vorschlagen bei der sie ihre eigene Beerdigung planen – das wäre mir zu glatt und wahrscheinlich auch zu viel.

00:09:35: Aber drei Fragen möchte ich ihnen mitgeben.

00:09:38: Die erste Bei wem würden Sie erscheinen wenn dieser Mensch Sie heute bitten würde?

00:09:44: Komm doch einmal Solange ich da bin.

00:09:47: Nicht theoretisch, nicht allgemein ein Name!

00:09:51: Die zweite?

00:09:52: Wem könnten Sie eine solche Einladung zumuten?

00:09:55: Nicht wer müsste kommen, nicht wer sollte sondern wen könnten sie wirklich bitten.

00:10:03: und die dritte gibt es jemanden bei dem sie nicht warten sollten bis ein Anlass sie dazu zwingt?

00:10:11: diese drei Fragen reichen.

00:10:13: vielleicht kommt dabei niemand dramatisches heraus.

00:10:16: Vielleicht nur ein alter Freund, eine Schwester, einen Sohn.

00:10:19: Ein früherer wir, eine frühere Weggefährtin oder Gefährte.

00:10:23: Jemand bei dem das Verhältnis nicht zerstört ist nur vernachlässigt.

00:10:27: Dann wäre ein Anfang nicht groß!

00:10:29: Ein Satz kann genügen.

00:10:31: Ich habe an dich gedacht Nicht aus einem bestimmten Anlass einfach so Oder?

00:10:36: Ich merke dass wir uns lange nicht gesehen haben.

00:10:38: ich würde das gern ändern Oder wenn es ernster ist Ich weiß nicht genau, wie ich es anfangen soll.

00:10:45: Aber ich möchte nicht warten bis es irgendwann zu spät

00:10:47: ist.".

00:10:48: Das ist erwachsen!

00:10:50: Vielleicht sogar das Erwachsenste was wir im Umgang mit Endlichkeit tun können?

00:10:55: Nicht so zu tun als hätten wir unbegrenzt Zeit denn das haben wir nicht – nicht mit den anderen und nicht mit uns selbst.

00:11:04: Am Ende bleibt von dieser Geschichte für mich ein Bild Ein Umschlag liegt auf einem Tisch.

00:11:09: er sieht harmlos aus ordentlich fast höflich.

00:11:11: jemand öffnet ihn Liest legt ihn wieder weg, nimmt den noch einmal in die Hand und dann beginnt die eigentliche Entscheidung.

00:11:19: Nicht was ziehe ich an nicht was sage Ich sondern schaffe es zu kommen!

00:11:25: Diese Frage reicht weit in unser ganz normales Leben hinein In unsere Freundschaften, in unsere Familien, in unseren alten Konflikte Unsere höflichen Ausreden unserer gut organisierten Kalender.

00:11:38: Vielleicht ist das die Zumutung die dieser Mann uns hinterlassen hat noch bevor er gegangen ist.

00:11:44: Das Abschied nicht erst beginnt, wenn jemand tot ist und das Anwesenheit manchmal schwerer ist als jedes schöne Wort.

00:11:51: Zur eigenen Beerdigung einladen wer kommt?

00:11:54: Vielleicht ist es keine Frage an die Gäste vielleicht ist es eine Frage an uns alle.

00:11:59: Wenn Ihnen mein Podcast gefällt folgen Sie ihm gerne und geben sie mir ein paar Sterne!

00:12:04: Vielleicht erreicht er dann Männer, die ebenfalls auf der Suche sind Bis nächste Woche Sonntag um Finne Engels.

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