Wer sind Sie eigentlich ohne Ihren Beruf?

Shownotes

Wie definiert man Erfolg, wenn Titel und Position plötzlich keine Rolle mehr spielen? Die Geschichte eines Chefarztes, der mit 59 noch einmal neu beginnt und dabei eine überraschende Erkenntnis gewinnt.

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00:00:01: War ich eigentlich erfolgreich?

00:00:04: Ich dachte, ich wüsste wer ich bin.

00:00:07: Heute möchte ich Ihnen Martin vorstellen.

00:00:11: Sind Sie auch neu?

00:00:13: Martin dreht sich um!

00:00:14: Ein junger Arzt steht neben ihm im Aufzug und lächelt.

00:00:17: Ja antwortet Martin.

00:00:19: Dann suchen wir heute wohl beide den richtigen Weg.

00:00:22: Beide lachen.

00:00:23: Für einen kurzen Moment sind sie einfach zwei Kollegen die ihren ersten Arbeitstag haben.

00:00:28: Erst eine Stunde später erfährt der junge Arzt dass Martin der neue Chefarzt ist.

00:00:34: Martin ist neunundfünfzig Jahre alt und er musste noch einmal den Arbeitsplatz wechseln, nicht freiwillig aber ohne Gröll nur mit diesem leisen Gefühl das viele kennen wenn sie irgendwo neu anfangen Neue Gesichter, neue Narben, neue Abläufe.

00:00:49: plötzlich weiß man nicht mehr welche Tür wohin führt.

00:00:53: Man fragt nach dem Weg, Nach Ansprechpartnern, Nach Kleinigkeiten über die man früher nicht einmal nachgedacht hätte.

00:00:59: Martin kennt seinen Beruf!

00:01:00: Daran hat sich nichts geändert.

00:01:03: Er weiß wie man Entscheidungen trifft, er weiß Wie man Verantwortung übernimmt, er weiss wie man eine Klinik führt.

00:01:09: Was er nicht wusste war wie diese klinik funktioniert und das ist etwas völlig anderes.

00:01:17: In den ersten tagen fragte er häufiger nach dem weg als in den letzten zwanzig jahren zusammen.

00:01:22: Wo ist die Radiologie?

00:01:23: Wer organisiert den Dienstplan, welcher Schlüssel gehört zu welchem Raum?

00:01:26: und wer ist eigentlich Frau Schneider von der alle sprechen.

00:01:30: Es sind belanglose Fragen – doch machen sie etwas mit einem!

00:01:34: Sie erinnern daran dass Erfahrung nicht automatisch Vertrautheit bedeutet.

00:01:39: Mit neunundfünfzig wieder Anfänger zu sein fühlt sich anders an als mit neun und zwanzig.

00:01:44: Mit Neunundzwanzig glaubt man irgendwann alles zu können.

00:01:48: Mit neunundfünfzig weiß man längst, dass man nie alles wissen wird.

00:01:52: Vielleicht fällt genau deshalb das Fragen schwerer?

00:01:55: Nicht weil man sich schämt sondern weil man daran gewöhnt hat derjenige zu sein, der die Antworten gibt.

00:02:03: Vor einigen Wochen saßen Martin und ich bei einem Kaffee.

00:02:06: Ich fragte ihn wie die ersten Tage gewesen seien.

00:02:09: Er lächelte anstrengend Dann schwieg er.

00:02:13: Nach einer Weile sagte er weißt du was mich überrascht hat?

00:02:17: Nicht die neue Klinik, nicht die neuen Kollegen.

00:02:20: Sondern ich mich

00:02:21: selbst.".

00:02:23: Ich sah ihn fragend an.

00:02:24: Er nahm einen Schluck Kaffee und sagte,"Ich habe immer geglaubt!

00:02:28: Ich wüsste wer' ich

00:02:29: bin!".

00:02:30: Erst jetzt merke ich wie viel davon an meinem Büro fängt.

00:02:35: Seit diesem Gespräch geht mir dieser Satz nicht mehr aus dem Kopf.

00:02:38: Nicht weil Martin Chefarzt ist sondern weil ich glaube dass viele von uns sich darin wiederfinden.

00:02:45: Wir stellen uns fast immer über das Vor, was wir tun.

00:02:49: Ich bin Arzt, ich bin Unternehmer, ich Bin Ingenieur und Handwerker und Lehrer.

00:02:54: Kaum jemand sagt Ich bin geduldig!

00:02:56: Ich kann gut zuhören, ich halte mein Wort.

00:02:59: Ich bleibe ruhig wenn andere nervös werden.

00:03:02: Dabei sind das vielleicht die Eigenschaften, die einen Menschen wirklich beschreiben.

00:03:07: Ein Beruf kann sich ändern.

00:03:08: eine Position auch ein Titel verschwindet manchmal schneller als man denkt.

00:03:12: Was bleibt ist etwas anderes.

00:03:15: Die Frage ist nur Wissen wir eigentlich was?

00:03:21: Ich habe nach diesem Gespräch lange über Martins Satz nachgedacht.

00:03:25: Ich habe immer geglaubt, ich wüsste wer ich bin.

00:03:28: Esst jetzt merke ich wie viel davon an meinem Beruf hängt.

00:03:33: Je länger ich darüber nachdachte desto mehr fragte ich mich Ist das nicht bei vielen von uns so?

00:03:40: Wir verbringen Jahrzehnte, damit uns etwas aufzubauen.

00:03:43: Eine Ausbildung einen Beruf eine Karriere ein Unternehmen eine Praxis eine Kanzlei und irgendwann verschmelzen Beruf und Persönlichkeit nicht bewusst ganz langsam fast unbemerkt bis wir irgendwann glauben beides sei dasselbe.

00:03:58: dabei ist es das nicht.

00:04:01: vielleicht kennen Sie diese Frage was machen sie beruflich?

00:04:05: Sie gehört zu den ersten Fragen die Menschen einander stellen.

00:04:09: Nicht Was interessiert sie?

00:04:11: Nicht was begeistert Sie!

00:04:13: Nicht, worüber können Sie stundenlang reden.

00:04:15: Sondern...was machen Sie

00:04:17: beruflich?!

00:04:18: Als würde genau dort stehen wer wir sind.

00:04:22: Martin musste den Beruf nicht wechseln nur das Krankenhaus und trotzdem hat in dieser Schritt mehr über sich gelehrt als viele Jahre davor weil plötzlich nichts mehr selbstverständlich war.

00:04:33: niemand kannte seine Geschichte niemand wusste was er schon erreicht hatte.

00:04:37: Niemand sagte Ach, sie sind doch der!

00:04:41: Er muss sich seinen Platz noch einmal erarbeiten.

00:04:44: Nicht als Arzt vielleicht auch aber hauptsächlich als Mensch.

00:04:50: Vielleicht genau das ist der Grund warum Veränderungen uns manchmal so verunsichern.

00:04:55: nicht weil wir ein neues lernen müssen sondern weil wir uns selbst noch einmal begegnen ohne die vertraute Umgebung ohne die Menschen die uns längst eingeordnet haben ohne das gute Gefühl genau zu wissen wo wir hingehören.

00:05:08: Martin erzählte mir, dass ihn das Anfangs mehr beschäftigt habe als er erwartet hatte.

00:05:13: Nicht jeden Tag nicht ständig aber immer wieder und irgendwann hörte er auf dagegen anzukämpfen.

00:05:19: Er fing einfach an, fragte nach, lernte dazu, erte sich, lachte über sie selbst und merkte, daß ihm nichts davon schadete – im Gegenteil es machte ihn freier!

00:05:31: Vielleicht ist das der Unterschied zwischen älter werden und reifer werden?

00:05:34: Älter werden passiert von allein, reifer werden beginnt in dem Moment, indem wir akzeptieren nicht mehr alles beweisen zu müssen.

00:05:42: Martin arbeitet inzwischen seit einigen Monaten in der neuen Klinik.

00:05:46: Heute findet er den Weg zur Radiologie blind.

00:05:49: Er kennt die Namen, er kennt die Abläufe, er ist angekommen Aber nicht weil ihm inzwischen jeder zuneckt sondern weil er sich selbst nicht mehr beweisen muss.

00:05:59: Als wir uns verabschieden sagt er noch einen Satz.

00:06:01: Ich glaube Er beschreibt besser als alles andere, worum es heute ging.

00:06:29: Denn vielleicht ist eine erfolgreiches Leben gar nicht das, in dem alles nach Plan läuft.

00:06:35: Vielleicht ist es eines indem wir den Mut behalten uns immer wieder neu auf unbekanntes Terrain zu wagen ohne den Glauben an uns selbst zu verlieren.

00:06:45: und deshalb möchte ich Ihnen heute noch eine einzige Frage mitgeben Nicht waren Sie erfolgreich sondern wenn sie sich morgen vorstellen müssten ohne ihren Beruf zu erwähnen Was würden sie über sich erzählen?

00:07:02: Vielleicht liegt die Antwort näher, als Sie denken.

00:07:04: Vielleicht müssen wir nur aufhören, Sie auf einer Visitenkarte zu suchen.

00:07:10: Ich bin Fina Engels und das war Silver Love Coaching was von meiner übrig bleibt.

00:07:15: Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat freue ich mich wenn Sie den Podcast abonnieren oder ihn mit einem Menschen teilen der gerade selbst vor einem Neuanfang steht Denn manchmal beginnt etwas neues genau in dem Moment indem wir aufhörn uns über das alte zu definieren.

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