Glauben Sie nicht alles, was Sie denken.

Shownotes

„Heute kann ich mich selbst nicht leiden.“

Ein Satz, den viele kennen und kaum jemand ausspricht.

Dabei reicht manchmal schon ein schlechter Tag, und plötzlich zweifeln wir an uns selbst, an unseren Entscheidungen oder sogar am Sinn unseres Lebens.

Warum ist das so?

Warum wünschen wir uns Ruhe und vermissen sie, sobald sie eintritt?

Warum warten wir auf den richtigen Moment, obwohl wir längst wissen, dass er wahrscheinlich nie kommen wird?

Und warum behandeln wir unsere Gedanken oft so, als wären sie Tatsachen?

In dieser Folge geht es um schlechte Tage, große Fragen und darum, sich selbst mit etwas mehr Gelassenheit zu begegnen.

Denn nicht jeder Gedanke hat recht.

Und nicht jeder Zweifel verdient einen festen Platz in unserem Leben.

Transkript anzeigen

00:00:00: Kennen Sie das auch?

00:00:02: Ich bin heute Morgen aufgestanden, hatte sehr schlecht geschlafen, Gedankengewälzten und herüberlegt.

00:00:07: Und jetzt kann ich mich selbst nicht leiden!

00:00:09: Und fragt mich nach dem Sinn meiner Existenz.

00:00:13: Nicht weil etwas Schreckliches passiert wäre – kein Verlust, keine Diagnose, keinen Zusammenbruch.

00:00:18: Nur ein ganz gewöhnlicher Dienstagmorgen.

00:00:21: Man steht auf, sieht sich selbst beim Denken zu zu empfindlich, zu müde, zu gereizt und zu wenig dankbar.

00:00:31: so viel im Kopf.

00:00:32: Und während man noch überlegt ob man sich für diesen Tag besser aus dem Weg gehen sollte stellt sich plötzlich die ganz große Frage.

00:00:40: Wozu das alles?

00:00:43: Das ist schon bemerkenswert.

00:00:44: der Mensch kann gleichzeitig keine Lust auf sie selbst haben und trotzdem erwarten dass seine Existenz einen höheren Sinn erfüllt.

00:00:51: er kann sich ver völlig unzulänglich halten und beleidigt sein wenn andere das ähnlich sehen.

00:00:57: Er kann seine Ruhe wollen und sich wundern, dass niemand anruft.

00:01:00: Er kann Freiheit verlangen und nervös werden, sobald niemand mehr etwas von ihm erwartet!

00:01:06: Er kann sagen das ihm die Meinung anderer gleichgültig ist – vollkommen gleichgühltig.

00:01:11: und anschließend dreimal nachsehen wer seine Beiträge gelesen hat.

00:01:16: Absurd Vielleicht ist es aber gar kein Fehler im System.

00:01:21: Vielleicht sind wir nicht deshalb widersprüchlich, weil wir unser Leben nicht im Griff haben.

00:01:26: Vielleicht sind Wir widersprüchlich Weil wir Menschen sind.

00:01:30: Ganz einfach!

00:01:32: Wir wollen Ruhe und fürchten die Stille.

00:01:34: Jahrelang wünschen wir uns weniger Termine, weniger Verantwortung, weniger Menschen, die etwas von uns wollen.

00:01:40: Dann wird es ruhiger und plötzlich fehlt nicht nur der Terminkalender Es fehlt das Gefühl gebraucht zu werden.

00:01:47: Das Telefon schweigt.

00:01:48: Der Montag hat nichts mehr gegen uns, niemand wartet auf eine Entscheidung.

00:01:53: Genau das hatten wir doch gewollt!

00:01:56: Nur hatten wir uns Freiheit offenbar etwas Belebter vorgestellt – Wir wollen Zeit und wissen nichts mit ihr anzufangen.

00:02:04: Wenn ich erst mehr Zeit habe ein Satz der Jahrzehnte lang alles erklärte Dann ist die Zeit da und sie liegt voreinem wie ein großes unmöbliertes Zimmer.

00:02:15: Man könnte etwas daraus machen.

00:02:17: Stand dessen räumt man den Keller aus, sortiert alte Kabel und fährt dreimal in der selben Woche zum Baumarkt.

00:02:23: Nicht weil dort das Leben wartet aber wenigstens gibt es eine Aufgabe und eine Kasse an der jemand fragt ob man eine Kundenkarte hat.

00:02:31: Wir wollen näher und verteidigen unsere Gewohnheiten.

00:02:34: Man möchte nicht allein sein Aber bitte auch nicht jeden Abend gemeinsam essen!

00:02:40: Man wünscht sich einen Menschen mit dem man alles teilen kann Nur nicht das Bett, das Badezimmer, den Urlaub und den Sonntagvormittag.

00:02:48: Man möchte nähe aber so dass sie sich dem eigenen Tagesablauf vernünftig unterordnet.

00:02:55: Das ist möglich!

00:02:57: Man nennt es allerdings Nicht-Beziehung sondern Terminvereinbarungen.

00:03:02: Wir wollen etwas verändern und warten auf den richtigen Moment.

00:03:06: Man könnte reisen, man könnte jemanden anrufen.

00:03:08: Man könnte noch einmal lieben!

00:03:10: Man könnte aufführen jeden Mittwoch mit Menschen zu verbringen die man schon am Dienstag anstrengend findet.

00:03:16: Aber jetzt gerade passt es nicht.

00:03:19: Im Frühjahr vielleicht Nach dem Geburtstag wenn das Wetter besser ist Wenn die Angelegenheiten mit dem Dach geklärt sind Wenn man sich wieder mehr danach fühlt Der richtige Moment ist ein ausgesprochen zuverlässiger Mitarbeiter.

00:03:32: Er erscheint nie und trägt deshalb auch keine Verantwortung.

00:03:36: Wir wissen, dass unsere Zeit begrenzt ist und behandeln sie wie ein unbefristeten Vortrag!

00:03:42: Wir wissen es – natürlich wissen wir es!

00:03:45: Wir haben Menschen verabschiedet, wir kennen die Einschläge, wir lesen die Todesanzeigen inzwischen gründlicher als früher… Und trotzdem verschieben wir das Leben!

00:03:56: Nicht immer die großen Dinge, oft nur den Anruf, die Entschuldigung, der Reise, den Satz, den wir seit Jahren sagen wollten... und benehmen uns, als gäbe es später noch eine saubere Gelegenheit.

00:04:09: Eine Vision des Lebens in der niemand beleidigt ist, nichts schiefgeht und wir endlich genau wissen was wir wollen!

00:04:17: Diese Version kommt nicht versprochen.

00:04:23: Es gibt nur diese hier Die mit der schlechten Laune, mit Zweifeln und Tagen an denen wir uns selbst nicht leiden können.

00:04:30: Und vielleicht müssen wir auch an solchen Tagen nicht sofort den Sinn unserer Existenz finden!

00:04:35: Vielleicht reicht es nicht jede vorübergehende Stimmung zur endgültigen Wahrheit zu erklären?

00:04:41: Manchmal ist das Leben nicht sinnlos.

00:04:44: Manchmal sind mir nur müde enttäuscht oder schlecht gelaunt.

00:04:47: Das ist weniger philosophisch aber häufig zuftreffender.

00:04:51: Absurd ist nicht dass wir uns widersprechen.

00:04:54: Absurd wäre, darauf zu warten eines Tages vollständig geklärt vernünftig und widerspruchsfrei zu sein.

00:05:02: Dann könnten wir endlich anfangen zu leben!

00:05:06: Voraussichtlich an einem Dienstag – nur leider nicht mehr an diesem.

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