Komm mal her. Warum wir nicht immer eine Lösung brauchen |
Shownotes
Es gibt Situationen da hilft kein guter Rat.
Nicht, weil wir nichts zu sagen hätten.
Sondern weil Worte manchmal kleiner sind als das, was ein Mensch gerade trägt.
Diese Folge erzählt von genau solchen Momenten.
Von Männern, die ihr Leben lang Probleme gelöst haben und plötzlich merken, dass sich nicht alles reparieren lässt.
Von Hans-Joachim, einer Figur aus meinem Roman Restlaufzeit.
Und von der vielleicht wichtigsten Fähigkeit der zweiten Lebenshälfte:
Nicht sofort eine Antwort zu haben.
Sondern da zu sein.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Komm mal her!
00:00:02: Es gibt Momente, in denen kein guter Rat hilft sondern nur ein Mensch.
00:00:06: Der bleibt.
00:00:07: Neulich ging mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf Wir sind erstaunlich gut darin Lösungen zu finden aber erstaune ich ungeübt einfach bei einem Menschen zu bleiben.
00:00:17: es gibt momente da braucht niemand einen rat Niemanden der erklärt niemanden der bewertet Nur jemanden der sagt komm mal her mehr nicht Keine Lösung, keine Strategie – nur diese drei Worte.
00:00:31: Ich glaube wir unterschätzen ihre Kraft.
00:00:34: Vor einigen Tagen saß ich in einem Café am Nebentisch zwei ältere Männer beide irgendwo zwischen sechzig, siebzig oder achtzig.
00:00:41: der eine redete seine Frau war vor wenigen Monaten gestorben.
00:00:46: Der andere hörte zu.
00:00:47: Eine Zeit lang sagte er gar nichts.
00:00:50: Dann legte er nur seine Hand auf den Tisch Nicht auf die Hand seines Freundes.
00:00:54: einfach auf den Tisch.
00:00:56: Und nach einer Weile sagte er, ich weiß gar nicht was ich sagen soll.
00:01:02: Ich dachte zuerst jetzt kommt bestimmt ein guter Rat.
00:01:06: Kam er aber nicht!
00:01:07: Stattdessen sagte er komm nächste Woche einfach wieder mit hierher.
00:01:12: Mehr nicht!
00:01:13: Kein Trost keine klugen Worte keine Floskel.
00:01:17: und plötzlich wurde mir klar vielleicht war das in diesem Moment das wertvollste was ihr sagen konnte.
00:01:24: Wir leben in einer Zeit, in der auf alles möglichst schnell eine Antwort gefunden werden muss.
00:01:29: Im Beruf ist das sinnvoll – dafür werden Menschen bezahlt.
00:01:33: Entscheidungen treffen Verantwortung übernehmen Probleme lösen.
00:01:36: Viele Männer haben genau das ihr ganzes Leben lang getan.
00:01:40: Sie haben Unternehmen geführt, Menschen ausgebildet, Patienten behandelt, Familien getragen… sie waren diejenigen, die wussten was zu tun ist.
00:01:47: und irgendwann merken sie?
00:01:50: Das Leben hält sich nicht an diese Regel!
00:01:54: Es stellt Fragen, auf die niemand eine Antwort kennt.
00:01:57: Eine Parkinson-Erkrankung – eine Demenz!
00:02:00: Der Tod eines geliebten Menschen, der Einsamkeit nach vierzig Berufjahren.
00:02:04: was genau soll man daran lösen?
00:02:09: Beim Schreiben meines Romanens Restlaufzeit entstand Hanzio Achim ein Anästhesist Ein Mann, der sein ganzes Berufsleben verantwortung getragen hat – präzise, ruhig und verlässlich.
00:02:20: Jemand, der in kritischen Situationen Entscheidungen treffen musste während anderen noch überlegten.
00:02:26: Dann kam Parkinson.
00:02:28: Am Anfang fiel es kaum auf.
00:02:30: Ein leichtes Zittern eine Bewegung die nicht mehr ganz selbstverständlich war.
00:02:34: später brauchte manches einfach länger.
00:02:37: Hans Joachim lebt allein.
00:02:39: Seine Ehe liegt viele Jahre zurück.
00:02:41: Das Verhältnis zu seiner Ex-Roi ist gut, respektvoll aber jeder führt sein eigenes Leben.
00:02:47: An manchen Tagen sitzt er morgens länger am Küchentisch – nicht weil der Kaffee anders schmeckt sondern weil selbst das Zugnopp von eines Hemmes Geduld verlangt.
00:02:56: Früher hätte ihn das geärgert.
00:02:58: heute macht ihm etwas anderes zu schaffen dass niemand da ist der diesen Moment überhaupt bemerkt.
00:03:06: In meinem Roman sagt Hanzio Achim einmal einen Satz, der mich bis heute beschäftigt.
00:03:11: Mit Parkinsonnen lernt man geduldig zu werden – nicht mit der Krankheit, mit sich selbst!
00:03:17: Nach einer langen Pause fügt er hinzu?
00:03:19: Aber manchmal wäre es schön wenn einfach jemand auf einen Kaffee vorbeikäme.
00:03:24: Nicht um mir zu helfen sondern weil ich noch derselbe Mensch bin.
00:03:29: Als ich diese Sätze schrieb habe ich den Computer zugeklappt.
00:03:37: Vielleicht geht es gar nicht nur um Hans Joachim.
00:03:40: Vielleicht geht das um uns alle?
00:03:42: Alle wollen helfen!
00:03:44: Der eine kennt einen Spezialisten, der nächste hat einen guten Rat – wieder jemand empfiehlt eine Therapie oder ein Buch.
00:03:50: Fast alle meinen es ehrlich gut.
00:03:53: Aber manchmal wünschen wir uns etwas ganz anderes.
00:03:57: Nicht noch eine Lösung sondern einen Menschen, der sich setzt, der zuhört und bleibt.
00:04:03: Ich glaube wir haben verlernt Hilflosigkeit auszuhalten.
00:04:06: Wenn jemand weint, reden wir.
00:04:08: Wenn jemand Angst hat, erklären wir.
00:04:10: wenn jemand einsam ist, schlagen wir etwas vor.
00:04:13: Wir meinen es gut – wirklich!
00:04:16: Aber manchmal helfen wir vor allem uns selbst Denn Schweigen fühlt sich unbequem an.
00:04:22: Dabei beginnt Nähe oft genau dort Im Sprechen, im Darbleiben, im Nicht-Wissen.
00:04:29: Ich habe in meiner Zeit in der Telefonsillsorge etwas gelernt Menschen rufen selten an, weil sie eine perfekte Antwort suchen.
00:04:37: Viele kennen ihre Möglichkeiten längst.
00:04:40: Sie rufen an, Weil sie für einen Moment nicht allein sein möchten.
00:04:44: Weil am anderen Ende jemand sitzt der nicht sofort bewertet Nicht unterbricht, nicht belehrt einfach zuhört.
00:04:54: Ich glaube das verändert mehr als wir ahnen.
00:04:57: Vielleicht verändert dass älter werden genau diese Perspektive.
00:05:01: Früher fragte man Wie löse ich das?
00:05:04: Heute lautet die wichtigere Frage vielleicht, bei wem darf ich schwach sein.
00:05:10: Das ist keine leichte Frage!
00:05:12: Vor allem nicht für Männer, die jahrzehntelang stark sein mussten.
00:05:15: und vielleicht gibt es noch eine zweite Frage Für wen bin ich eigentlich dieser Mensch?
00:05:22: Zu wem sage ich?
00:05:22: nicht du musst sondern komm mal her.
00:05:26: Vielleicht ist das einer der wertvollsten Sätze, die wir behaupt sagen können.
00:05:30: Nicht weil er etwas löst, sondern weil er sagt Du musst das gerade nicht alleine aushalten.
00:05:37: Wenn Sie diese Folge heute mitnehmen, dann vielleicht nur diesen einen Gedanken!
00:05:42: Nicht jedes Problem braucht eine Lösung.
00:05:46: Nicht jede Träne braucht einer Erklärung.
00:05:48: Nicht jeder Sorge braucht einen Rat.
00:05:51: Manchmal braucht ein Mensch nur einen anderen Menschen.
00:05:54: Jemanden der einen Stuhl heranzieht sich setzt und bleibt.
00:05:58: Vielleicht ist genau das Liebe.
00:06:01: Vielleicht es genau dass Freundschaft.
00:06:04: Vielleicht ist genau das Menschlichkeit.
00:06:08: Komm mal her!
00:06:10: Manchmal sind das die wichtigsten drei Worte unseres Lebens, vielleicht denken sie heute einmal darüber nach bis zum nächsten Mal.
Heinz
‧Carlo
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