36 Bilder waren genug. Kann KI menschliche Nähe ersetzen?
Shownotes
36 Bilder für zwei Wochen Urlaub. Verwackelte Aufnahmen, geschlossene Augen, abgeschnittene Köpfe. Und trotzdem reicht ein altes Fotoalbum manchmal aus, um eine ganze Reise zurückzuholen. Sich zu erinnern.
Heute können wir 49 Bilder von einem einzigen Sonnenuntergang machen. Die Fotos kostet nichts. Zumindest kein Geld.
Aber vielleicht bezahlen wir mit etwas anderem: mit dem Moment selbst.
Bei einer Vorführung im Apple Store erlebte ich, wie überzeugend Technik unserem Körper eine vermeintliche Wirklichkeit vorspielen kann. Mein 15-jähriger Enkel zog daraus allerdings einen völlig anderen Schluss als ich.
Zwischen unseren Reaktionen liegen nicht nur fast fünfzig Jahre Altersunterschied. Vielleicht liegt darin auch eine Ahnung davon, wie selbstverständlich künstlich erzeugte Wirklichkeit für kommende Generationen werden könnte.
Und damit landet diese Folge bei einer Frage, die mit Urlaubsfotos nur noch wenig zu tun hat: Werden unsere Kindeskinder noch unterscheiden, was künstliche Zuwendung und was echte menschliche Nähe ist?
Eine Folge über 36 Bilder, eine Skibrille, eine Kontaktlinse und etwas, das sich vielleicht niemals vollständig nachbauen lässt.
Transkript anzeigen
00:00:00: Früher passte ein ganzer Urlaub in sechsunddreißig Bilder.
00:00:04: Man kaufte einen Film, legte ihn in die Kamera und wusste das war's!
00:00:09: Mehr als sechsund dreißig Mal wird hier nicht abgedrückt.
00:00:13: Also fotografierte man nicht jedes Frühstück, nicht jeden Sonnenuntergang – und ganz sicher nicht sie selbst zwölfmal vor denselben Motiv um anschließend das beste Bild rauszusuchen?
00:00:23: Man überlegte ist das ein Foto
00:00:25: wert?!
00:00:27: Das klingt heute beinahe absurd.
00:00:30: Ein Foto kostet nichts mehr, zumindest kein Geld.
00:00:33: Ich kann neunundvierzig Bilder hintereinander machen und mir später überlegen welches davon das Beste ist!
00:00:39: Aber vielleicht kostet uns zu genau das doch etwas?
00:00:43: Während ich fotografiere schaue auf einen Bildschirm, ich suche den richtigen Ausschnitt, ich kontrolliere das Bild mache noch eins und noch eins.
00:00:51: der Sonnenuntergang wartet derweil nicht.
00:00:54: Vielleicht bezahlen wir unsere unbegrenzten Bilder mit etwas dass wesentlich kostbarer ist als ein Film Mit dem Moment selbst.
00:01:03: Früher kam man aus dem Urlaub zurück, brachte den Film zur Entwicklung und wartete – auch so ein beinahe ausgestorbenes Wort – warten!
00:01:12: Ein paar Tage später bekam man seine Bilder…und dann kam die Wahrheit ans Licht.
00:01:17: Bei einem Foto hatte jemand die Augen geschlossen...das nächste war verwackelt.
00:01:20: auf einem filte Dante Gisela der halbe Kopf und irgendwo stand ein fremder Mann im Hintergrund von dem bis heute niemand weiß wer das eigentlich.
00:01:30: Die Bilder kamen trotzdem ins Album.
00:01:33: Ich habe solche Alben!
00:01:35: Wenn ich sie heute aufschlage, reichen erstaunlich wenige Fotos um einen ganzen Urlaub wieder hervor zu holen Das Hotel die Hitze der schlechte Laune Wer schlechte laune hatte wo wir gegessen haben.
00:01:47: Manchmal erinnere ich mich sogar an Dinge von denen es überhaupt kein Foto gibt Vielleicht gerade deshalb.
00:01:54: Vor einiger Zeit war ich mit meinem fünfzehnjährigen Enkel im Apple Store.
00:01:58: Er ist technikaffin sehr sogar.
00:02:01: Wir wollten uns diese Brille zeigen lassen.
00:02:04: Natürlich war ich beeindruckt, bei der Vorführung stand ich plötzlich auf einer Slackline in schwindelnder Höhe.
00:02:11: Ich wusste selbstverständlich dass ich im Apple Store stand.
00:02:14: Mein Kopf wusste das ebenfalls mein Körper aber offenbar anderer Meinung.
00:02:19: Mir wurde innerhalb kürzester Zeit tatsächlich speiübel.
00:02:23: Das fand ich was noch beeindruckender als die Bilder.
00:02:26: Da steht man in einem Laden weiß genau dass man auch einem sicheren Fußboden steht und der eigene Körper sagt, nein!
00:02:35: Wir stürzen hier gleich ab.
00:02:37: In diesem Moment habe ich verstanden wie dünn die Grenze werden kann zwischen dem was wir wissen und dem was we erleben.
00:02:45: Nach der Vorführung nahm mich die Brille ab und sagte zu den Mitarbeiter Ich finde das schräg Man kann Tote im Leben halten.
00:02:54: Der sagt es kam einfach so Vielleicht weil ich plötzlich dachte, wenn mein Törper schon eines Lecklein für wirklich hält obwohl ich genau weiß dass sie nicht existiert.
00:03:04: Was passiert dann mit einer Erinnerung die sich genauso wirklich anfühlt?
00:03:09: Mit einem Menschen der nicht mehr da ist?
00:03:11: Wir haben die Brülle übrigens nicht gekauft.
00:03:14: Mein Enkel und Ich ging wieder hinaus.
00:03:16: Auf der Rolltreppe sagt er einen Satz den ich wahrscheinlich nicht vergessen werde Oma Jetzt ist das Ding so groß wie eine Skibrille.
00:03:25: Ich glaube, in zehn Jahren oder wahrscheinlich früher sind das nur noch Kontaktlinsen.
00:03:31: Ich musste lachen und dann dachte ich verdammt!
00:03:34: Vielleicht hat er Recht?
00:03:36: Vielleicht ist diese Brille nur ein ziemlich klobiger Zwischenschritt.
00:03:40: Ich dachte über die Folgen nach eher über den nächsten Version Und wahrscheinlich wird sie kommen.
00:03:46: kleiner besser selbstverständlicher.
00:03:49: vielleicht schauen wir irgendwann nicht mehr auf Fotos unserer Vergangenheit.
00:03:53: Vielleicht stehen wir mittendrin Der verstorbene Vater sitzt wieder am Tisch, die Mutter steht in der Küche.
00:03:59: Der Partner geht durch den Garten – nicht wirklich!
00:04:02: Aber vielleicht wirklich genug?
00:04:04: Und wenn dann noch die Stimme dazukommt... Künstliche Intelligenz kann jetzt schon ziemlich perfekt Stimmen nachbilden Sprache erzeugen und aus vorhandenen Material erstaunlich viel über einen Menschen lernen.
00:04:16: Irgendwann kommt das vielleicht alles zusammen….
00:04:20: Bild, Stimme, Erinnerungen …und etwas des Verdammt nach Persönlichkeit aussieht.
00:04:26: dann sehen wir einen Menschen nicht mehr nur.
00:04:28: Wir sprechen mit ihm und er antwortet tröstlich, unheimlich – wahrscheinlich beides!
00:04:35: Aber eigentlich führt mich das zu einer ganz anderen Frage.
00:04:38: Wir reden ständig darüber was Technik noch alles können wird Und bei all dem technischen Größenwahn bleibt etwas Erstaunlich Banales.
00:04:48: Wir brauchen andere Menschen Ihre Nähe, ihre Zuwendung.
00:04:52: eine künstliche Intelligenz kann uns kennen Sie kann zuhören, sie kann merken dass es uns nicht gut geht und vermutlich wird sie irgendwann ziemlich genau wissen was ihr in diesem Moment sagen muss.
00:05:04: Vielleicht sogar besser als mancher Mensch.
00:05:07: aber ein Mensch der bei mir bleibt könnte auch gehen.
00:05:11: er könnte meinen Anruf wegdrücken er könnte sagen heute nicht.
00:05:15: Er hat sein eigenes Leben eigene Sorgen manchmal schlechte Laune und manchmal schlicht keinen Lust auf mich Und trotzdem bleibt er.
00:05:23: Vielleicht liegt genau darin etwas, das sich nicht nachbauen lässt.
00:05:26: Nicht nur dass jemand da ist sondern dass jemand dasein will!
00:05:31: Menschen sind allerdings anstrengend.
00:05:33: Sie verstehen uns nicht immer sie widersprechen sie enttäuschen uns.
00:05:37: eine Maschine könnte uns wesentlich angenehmer machen.
00:05:41: sie könnte immer verfügbar sein immer geduldig immer interessiert und genau das finde ich fast beunruhigender als die slackline.
00:05:50: nicht die frage ob eine maschine irgendwann einen menschentäuschenden echt nachbilden kann, sondern ob uns diese künstliche Form von Nähe irgendwann genügt.
00:05:59: Und dann denke ich an meinen Enkel – an seine Kontaktlinien und an seine Kinder und Enkel die vielleicht einmal in einer Welt leben, in der Künstliche Zuwendung so selbstverständlich ist wie für uns heute das Smartphone.
00:06:11: Werden unsere Kindeskinder überhaupt noch wissen was wir mit echter menschlicher Nähe gemeint haben?
00:06:18: Vielleicht werden sie über diese Frage lachen!
00:06:20: Vielleicht werden Sie sagen dass wir einen Unterschied gemacht Der für sie längst keine Bedeutung mehr hat.
00:06:26: Das kann sein!
00:06:28: Aber ein Unterschied bleibt für mich, Ein Mensch kann sich entscheiden ob er bei dir bleibt und wenn er es tut bedeutet das etwas.
00:06:38: Die Maschine kann uns kennen.
00:06:40: Sie können uns antworten.
00:06:41: Sie kann vielleicht sogar sagen dass ihr uns liebt aber sie kann uns nicht vermissen.
Neuer Kommentar