Die Muster, die wir geerbt haben

Shownotes

Haben Sie schon einmal ein Genogramm erstellt?

Falls Sie gerade „Ein was?“ gedacht haben, sind Sie damit vermutlich nicht allein.

Ein Genogramm ähnelt auf den ersten Blick einem Stammbaum. Doch statt nur Namen, Geburtsdaten und Verwandtschaftsverhältnisse festzuhalten, richtet es den Blick auf das, was zwischen den Menschen passiert ist.

Auf Beziehungen und Trennungen. Krankheiten und Verluste. Kontaktabbrüche. Verantwortung. Wiederkehrende Rollen. Und auf die Sätze, die in einer Familie so oft gesagt wurden, dass irgendwann niemand mehr weiß, woher sie eigentlich stammen.

In dieser Folge:

• Was ein Genogramm von einem Stammbaum unterscheidet • Wie Familienmuster über Generationen sichtbar werden können • Warum Verstehen keine Entschuldigung ist • Was unausgesprochene Familiengeschichten mit unserem heutigen Leben zu tun haben können • Warum Margarete beim Betrachten alter Fotos plötzlich Zusammenhänge erkennt • Wie Sie selbst beginnen können, Ihre Familiengeschichte auf einem Blatt Papier festzuhalten

Ein Genogramm verändert nicht die Vergangenheit.

Es macht sie sichtbar.

Und manchmal ….

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00:00:00: Muster, die wir geerbt haben.

00:00:02: Die Geschichten hinter unseren Geschichten.

00:00:05: Haben sie schon mal einen Gynogramm erstellt?

00:00:08: Wahrscheinlich antworten die meisten jetzt ein Was?

00:00:12: Dabei steckt dahinter etwas ganz einfaches!

00:00:15: Ein Gynagramm ist keine Anforschung.

00:00:17: Es ist der Versuch zu verstehen welche Geschichten Schicksale und Muster eine Familie über Generation hinweg geprägt haben.

00:00:25: Margarete räumte den Dachboden auf und fand eine Kiste mit alten Fotos, Sterbeurkunden und vergilbten Briefen.

00:00:32: Erst wollte sie alles wegwerfen.

00:00:34: Dann legte sie die Fotos auf den Essdisch.

00:00:37: Plötzlich fiel er etwas auf.

00:00:39: Ihr Großvater war früh verbittet – ihr Vater auch!

00:00:41: Und sie selbst hatte ihren Mann jung verloren.

00:00:44: Drei Generationen, drei Menschen, die ihr Leben neu ordnen mussten... Sie saß lange vor den Fotos, sie fragte sich nicht warum sich manches wiederholte.

00:00:53: Sie fragte was eine Familie über Generation hinweg prägt.

00:00:57: Welche Erfahrungen weitergegeben werden?

00:01:00: Welche Ängste welche Hoffnungen und welche Sätze so oft erzählt werden bis niemand mehr weiß wer sie eigentlich zuerst ausgesprochen hat.

00:01:08: Genau dort beginnt ein Genogramm Nicht mit Kästchen und Linien, sondern mit der Frage – welche Geschichte erzählt meine Familie?

00:01:17: Und welche Geschichte erzählt sie über

00:01:19: mich?".

00:01:20: Viele von uns glauben unser Leben beginne mit unserer Geburt.

00:01:23: Natürlich beginnt unser Leben dort!

00:01:26: Aber manches beginnt viel früher.

00:01:29: Vielleicht sind Sie in einer Familie aufgewachsen, in der niemand über Gefühle sprach.

00:01:33: Vielleicht war Leistung wichtiger als Nähe.

00:01:36: Vielleicht galt Schwäche als Versagen.

00:01:38: Vielleicht musste immer einer stark

00:01:39: sein.".

00:01:40: Vielleicht gab es einen Satz, den Sie als Kind unzählige Male gehört haben.

00:01:45: Stell dich nicht so an!

00:01:46: Erst die Arbeit dann das Vergnügen – über so etwas spricht man nicht.

00:01:51: In unserer Familie zieht man das durch oder?

00:01:55: Wir haben es nicht vom Ausgeben sondern von behalten.

00:01:58: Der Satz sitzt in meinem Hinterkopf ziemlich fest.

00:02:01: Diese Sätze verschwinden nichts.

00:02:03: sie werden Teil unserer inneren Stimme und irgendwann merken wir gar nicht mehr dass sie gar nicht von uns stammen.

00:02:11: Ein Gynogramm macht genau das sichtbar.

00:02:14: Es zeigt nicht nur wer zu einer Familie gehört, es zeigt Beziehungen Trennungen Krankheiten frühe Todesfälle Kontaktabbrüche Alkohol Depressionen Pflege Auswanderung Menschen die Verantwortung getragen haben und manchmal auch Menschen über die nie wieder gesprochen wurde.

00:02:32: Plötzlich entstehen Muster Nicht als Beweis nicht als Schicksal sondern als Einladung genauer hinzusehen.

00:02:39: Ich erinnere mich an Menschen aus der Telefonsilzorge.

00:02:42: Nicht selten erzählten sie von ihrem eigenen Problem und irgendwann sagte jemand ganz beiläufig, mein Vater war genauso oder meine Mutter konnte auch keine Nähe zulassen.

00:02:55: Oft war das gar nicht als Erklärung gemeint aber plötzlich bekam das eigene Leben einen Zusammenhang!

00:03:01: Nicht alles war Zufall manches hatte eine Geschichte, dass ist wichtig denn ein Genogramm ist keine Entschuldigung.

00:03:08: Es nimmt niemandem Verantwortung ab.

00:03:10: Wer seinen Vater als cholerisch erlebt hat, muss deshalb nicht selbstcholärisch werden.

00:03:16: Wenn einer Familie voller Schweigen aufgewachsen ist, muss dieses Schweigen nicht weitergeben – aber es hilft zu wissen woher manche Reaktionen kommen!

00:03:25: Denn wenn was wir erkennen können, können wir hinterfragen und was wir hinter fragen können verändern?

00:03:31: Vielleicht kennen sie Familien in den Generationen niemand über Probleme spricht… oder Familien, in denen alle Männer den selben Beruf gewählt haben.

00:03:40: Oder Familien, denen immer jemand die Verantwortung für alle anderen übernimmt.

00:03:45: Manchmal nennen wir das Tradition, manchmal Pflichtgefühl, manchmal Charakter – vielleicht ist es von allem etwas?

00:03:52: Vielleicht aber auch ein Muster, dass längst niemand mehr bemerkt!

00:03:56: Mich beeindruckt immer wieder wie selbstverständlich wir unsere Familiengeschichte akzeptieren.

00:04:01: Wir kennen die Geburtsdaten, die Hochzeiten und Sterbedaten Aber wir kennen oft nicht die Geschichten dahinter.

00:04:08: Wovor hatte der Großvater Angst?

00:04:10: Warum sprach die Großmutter nie über ihre Jugend?

00:04:13: Weshalb verließ der Onkel plötzlich die Familie und warum wurde über manche Menschen jahrzehntelang geschwiegen?

00:04:20: Vielleicht liegen genau dort die Antworten auf Fragen, die wir uns heute stellen.

00:04:25: Ein Genogramm verändert die Vergangenheit nicht – es macht sie sichtbar!

00:04:30: Und manchmal reicht genau das aus… Nicht um Schuldige zu finden, sondern um Zusammenhänge zu erkennen.

00:04:36: Vielleicht haben sie noch alte Fotos Briefe, Urkunden oder jemanden in ihrer Familie den Sie schon lange etwas fragen wollten?

00:04:44: Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt nicht aus Neugier, sondern aus Interesse an der eigenen Geschichte Denn wer versteht woher manche Muster kommen kann entscheiden welche er bewahren möchte und welche mit ihm enden dürfen.

00:04:58: vielleicht haben sie nach dieser Folge Lust bekommen ihre eigene Familiengeschichte einmal aufzuzeichnen.

00:05:04: Nehmen Sie sich ein Blatt Papier, schreiben sie Ihren Namen in die Mitte.

00:05:07: Dann Ihre Eltern, Ihre Großeltern vielleicht auch ihre Kinder und dann notieren Sie nicht nur Namen und Daten, schreiben Sie dazu, woran Sie sich erinnern?

00:05:16: Wer war der Mutige?

00:05:18: Wer hat immer Verantwortung übernommen?

00:05:19: Wer konnte keine Nähe zulassen?

00:05:21: Wer sprach nie über Gefühle?

00:05:24: Wer musste viel zu früh Abschied nehmen?

00:05:27: und welche Sätze wurden in Ihrer Familie immer wieder gesagt?

00:05:31: Erwarten Sie keine fertigen Antworten!

00:05:33: Aber wundern Sie sich nicht, wenn plötzlich Zusammenhänge sichtbar werden die sie ihr ganzes Leben begleitet haben.

00:05:39: Ohne dass sie es bemerkt haben!

00:05:42: Vielleicht ist genau das der erste Schritt?

00:05:44: Nicht die Vergangenheit zu verändern sondern sie zu verstehen.

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