Klaus-Michael Kühne und die Frage: Was war eigentlich Erfolg?

Shownotes

Was genau meinen wir eigentlich, wenn wir von einem erfolgreichen Leben sprechen?

Karriere? Geld? Einfluss? Familie? Ein Haus? Anerkennung?

Philipp hat vieles davon erreicht. Er hat eine Firma aufgebaut, Verantwortung getragen und sie später erfolgreich verkauft.

Doch als ich ihn frage, woran er eigentlich erkennt, dass sein Leben erfolgreich war, erzählt er zunächst fast ausschließlich von seiner Arbeit.

Bis ich ihm eine andere Frage stelle:

„Wenn morgen niemand mehr wissen wollte, was du beruflich gemacht hast, was würdest du dann über dein Leben erzählen?“

Plötzlich kommen andere Geschichten.

Sein Bruder. Seine Kinder. Ein alter Freund. Seine Mutter. Ein Sommer in Südfrankreich. Ein Gespräch mit seiner Tochter bis morgens um drei.

Nur seine Firma kommt nicht mehr vor.

In dieser Folge geht es um den Unterschied zwischen Erfolg und einem gelungenen Leben. Um Menschen, die jahrzehntelang gelernt haben, ihren Wert an Ergebnissen zu messen. Und um die Frage, was geschieht, wenn Position, Leistung und berufliche Ziele irgendwann verschwinden.

Denn vielleicht besteht eine der Freiheiten des Älterwerdens darin, nicht mehr ständig Bilanz führen zu müssen.

Wenn ich nichts mehr erreichen müsste, damit mein Leben als erfolgreich gilt, wie würde ich morgen leben?

Fine Engels

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00:00:00: Ich glaube, ich hatte ein erfolgreiches Leben", sagte Philipp.

00:00:07: Ich fragte ihn nur, woran merkst du das?

00:00:11: Er sah mich an als hätte ich eine ziemlich merkwürdige Frage gestellt.

00:00:15: Denn woran merkt man eigentlich dass das eigene Leben erfolgreich war – am Geld, an der Karriere, an den Kindern, daran dass andere einen für erfolgreich halten?

00:00:26: oder merke man es vielleicht erst dann wenn all diese Dinge keine so große Rolle mehr spielen?

00:00:32: Philipp ist alt, Unternehmer und Firma aufgebaut.

00:00:35: Irgendwann achtzig Mitarbeiter, zwei Häuser, drei Kinder eine Ehe, die immer in vierunddreißig Jahre gehalten hatte.

00:00:42: Er hat diesen Satz nicht stolz gesagt – eher so als würde er einen Sachverhalt feststellen.

00:00:47: Also fragte ich noch einmal… Du sagst du hattest ein erfolgreiches Leben!

00:00:53: Woran machst du das fest?

00:00:55: Er überlegte ….

00:00:57: Ich habe aus dem Nichts eine Firma aufgebaut.

00:01:00: Dann erzählte er von den ersten Jahren, von Wachstum und schwierigen Entscheidungen, von Mitarbeitern, von einem Konkurrenten, der irgendwann übernommen hatte vom Verkauf seiner Firma.

00:01:10: Alles beeindruckend!

00:01:12: Aber irgendwann fiel mir etwas auf.

00:01:16: Fast alles was Philipp als Beleg für sein erfolgreiches Leben anführte, hatte mit seiner Arbeit zu tun.

00:01:23: also fragte ich... Und außerhalb der Firma?

00:01:28: Diesmal dauerte es länger.

00:01:31: Was ist eigentlich Erfolg?

00:01:34: Wir verwenden dieses Wort als wäre völlig klar, was es bedeutet.

00:01:38: Jemand hat Erfolg!

00:01:40: Jemand ist erfolgreich, jemand führt ein erfolgreiches Leben.

00:01:44: aber was genau soll das heißen?

00:01:47: Im einfachsten Sinne bedeutet Erfolg zunächst nur Ich habe einen Ziel erreicht.

00:01:53: Das klingt vernünftig.

00:01:55: Nur müsste man dann eigentlich als nächstes fragen Welches Ziel und vor allem Wer hat es festgelegt?

00:02:04: Ich selbst, meine Eltern die Gesellschaft, mein Freundeskreis, meine Branche.

00:02:08: Die Menschen mit denen ich mich seit Jahrzehnten vergleiche.

00:02:11: vielleicht beginnt das Problem mit dem Erfolg genau dort.

00:02:14: Wir übernehmen ziemlich früh Vorstellungen davon wie ein gelungenes Leben auszusehen hat.

00:02:20: gute Ausbildung Beruf Aufstieg Geld Familie Haus Anerkennung Vielleicht ein bisschen Einfluss und wenn man Dass alles einigermaßen hinbekommt, darf man irgendwann sagen – war erfolgreich!

00:02:35: Eigentlich eine merkwürdige Vorstellung.

00:02:38: Denn sie macht aus einem Leben eine Bilanz.

00:02:42: Mit Fünfundreißig funktioniert diese Bilanz noch ziemlich gut.

00:02:46: Da gibt es das nächste Projekt die nächste Position des größeren Gehaltes.

00:02:50: Mit fünfundvierzig vielleicht das größere Haus mit fünfzig noch einmal einen Karrierschritt und jedes erreichte Ziel produziert sofort das Nächste.

00:02:59: Das kann ein hervorragender Motor sein.

00:03:02: Erfolg macht Spaß, Anerkennung auch – Geld übrigens ebenfalls!

00:03:06: Ich halte überhaupt nichts davon so zu tun als sein all diese Dinge oberflächig und als müsse der aufgeklärte Mensch irgendwann erkennen dass ein Spaziergang im Wald viel wertvoller sein kann als ein gut gefülltes Konto.

00:03:19: So einfach ist es nicht.

00:03:21: Es ist schön etwas zu können, es ist schön gebraucht zu werden.

00:03:24: Es ist Schön etwas aufzubauen Und selbstverständlich Ist es angenehm finanziell unabhängig zu sein?

00:03:33: Die interessante Frage ist eine andere.

00:03:36: Was passiert, wenn dieser Motor jahrzehntelang gelaufen ist und plötzlich kein Ziel mehr vor ihm steht?

00:03:43: Philipp hatte seine Firma mit sixty vier verkauft.

00:03:47: ein guter Verkauf.

00:03:48: er hätte stolz sein können.

00:03:50: wahrscheinlich war das auch nur dauerte dieses Gefühl nicht besonders lange.

00:03:55: Danach kauft er sich ein neues Auto, dann wurde das Haus renoviert.

00:03:58: Er spielte eine Zeit lang ziemlich ambitioniert Golf.

00:04:01: Er überlegte, sich an einem Unternehmen zu beteiligen – nicht weil er das Geld brauchte und auch nicht, weil ihn dieses Unternehmen besonders interessierte.

00:04:09: Er sagte, ich muss doch noch irgendetwas machen!

00:04:14: Dieser Satz ist mir hängen geblieben.

00:04:16: Ich muss doch nur irgendwas machen.

00:04:20: Warum eigentlich?

00:04:22: Ich hätte sagen können, natürlich sucht ihr etwas Neues.

00:04:25: Aber vielleicht war das gar nicht sein Problem?

00:04:28: Vielleicht wusste Philipp sehr genau was er noch machen konnte!

00:04:32: Er wusste nur nicht wer er war wenn er einmal nichts machte.

00:04:37: Vielleicht gibt es Menschen die ihr ganzes Leben lang gelernt haben sich über Ergebnisse wahrzunehmen.

00:04:43: Was habe ich geschafft?

00:04:45: Was hab' ich erreicht?

00:04:47: Was ist dabei herausgekommen?

00:04:49: Wo stehe ich im Vergleich zu anderen?

00:04:51: Solange das Leben genügend Aufgaben liefert, fällt das kaum auf.

00:04:55: Dann verschwinden diese Aufgaben und plötzlich soll es reichen einfach da zu sein?

00:05:01: Das ist eine ziemlich radikale Umstellung denn wie misst man einen Dienstag an dem nichts erreicht wurde?

00:05:08: kein Termin keine Entscheidung niemand braucht eine Antwort niemand wartet auf ein Ergebnis.

00:05:13: War das ein guter Dienstag oder ein verlorener?

00:05:18: Vielleicht brauchen wir Erfolg, deshalb viel stärker als wir glauben.

00:05:22: Nicht unbedingt wegen des Geldes nicht einmal wegen der Anerkennung sondern weil Erfolg Ordnungschaft!

00:05:28: Er sagt uns du bist auf dem richtigen Weg Du hast etwas geschafft.

00:05:33: Du bist jemand und vielleicht erklärt das auch warum manche Menschen nach dem Ende ihres Berufslebens sofort neue Projekte brauchen Ehrenamt Beratung Aufsichtsrat Immobilien Vereinsvorstand Marathon Golfhandicap, Hauptsache es gibt wieder etwas das sich messen lässt.

00:05:53: Daran ist überhaupt nichts falsch!

00:05:55: Die Frage ist nur will ich das wirklich noch oder kann ich es lediglich nicht ertragen nichts vorweisen zu können?

00:06:04: Ich habe Philipp irgendwann gefragt Wenn morgen niemand mehr wissen wollte was du beruflich gemacht hast Was würdest Du dann über dein Leben erzählen?

00:06:14: Er lachte zuerst, dann dachte er nach und irgendwann erzählte er von seinem Bruder.

00:06:19: Von einer Reise mit seinen Kindern, von einem Freund den er seit der Schulzeit kannte, von seiner Mutter – von einem Sommer in Südfrankreich!

00:06:27: Von einem Abend an dem er mit seiner Tochter bis morgens um drei in der Küche gesessen hatte und geredet hatte.

00:06:34: Ich hörte ihm eine Weile zu.

00:06:36: Irgendwann sagte ich interessant was?

00:06:41: Deine Firma kommt gar nicht mehr vor.

00:06:43: Philipp sagte nichts.

00:06:45: Nicht weil die Firma unwichtig gewesen wäre, sie war ein riesiger Teil seines Lebens aber eben nur ein Teil!

00:06:52: Vielleicht liegt genau hier der Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem gelungenen Leben.

00:06:57: Erfolg braucht einen Ergebnis.

00:07:00: Ein gelungenes Leben möglicherweise nicht.

00:07:03: Das bedeutet nicht dass wir unsere Ambitionen verschieben müssen oder verabschieden müssen Und schon gar nicht dass wir uns ab einem bestimmten Alter zufrieden in einen Sessel setzen und dankbar auf das Erreichte zurückblicken sollen.

00:07:18: Vielleicht beginnt etwas viel Interessanteres?

00:07:21: Zum ersten Mal könnten wir uns Ziele aussuchen, die niemand sehen muss.

00:07:25: Etwas tun ohne damit irgendwo hinzuwollen!

00:07:28: Einen Menschen treffen ohne dass daraus etwas entstehen muss – etwas lernen obwohl wir es niemals beruflich brauchen werden…einen Nachmittag verschwenden …und den Hinterher nicht einmal Bereuen.

00:07:42: Das klingt banal!

00:07:44: Für jemand, der sein Leben lang auf Ergebnisse trainiert war ist es das überhaupt nicht.

00:07:50: Felix sagte am Ende die unseres Gesprächs dann war ich vielleicht gar nicht so erfolgreich wie ich dachte.

00:07:57: Ich glaube das war die falsche Schlussfolgerung.

00:08:00: Natürlich war er erfolgreich.

00:08:02: Er hatte sich ziele gesetzt und eine ganze Menge davon erreicht.

00:08:05: Nur musste dieser Erfolg nicht mehr die Antwort auf die Frage sein ob sein Leben etwas wert war.

00:08:11: Vielleicht ist das eine der Freiheiten, die mit dem Alter werden kommen können.

00:08:16: Dass wir irgendwann niemandem mehr beweisen müssen, dass wir erfolgreich sind – nicht unseren Eltern, nicht unsere Kollegen, nicht unseren Kindern und vielleicht nicht einmal mehr uns selbst!

00:08:27: Dann bleibt eine andere Frage keine besonders große aber möglicherweise die entscheidende Wenn ich nichts mehr erreichen müsste damit mein Leben als erfolgreich gilt wie würde ich morgen leben?

00:08:41: Vielleicht ist ein erfolgreiches Leben am Ende gar keines, bei dem besonders viel auf der Habenseite steht.

00:08:47: Vielleicht ist es eines, bei den man irgendwann aufführen kann, Bilanz zu führen!

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