Friedrich Merz machte eine Kinderärztin berühmt. Was macht sie jetzt daraus?
Shownotes
Früher brauchte man ein Amt, um Macht zu haben. Heute reichen manchmal 300.000 Follower.
Über Friedrich Merz, eine Kinderärztin und die neue Macht der Aufmerksamkeit
Friedrich Merz hat ein Amt. Bea Merscher hat Reichweite.
Als der Bundeskanzler und die Kinderärztin bei RTL aufeinandertreffen, wird aus einem Gespräch über Gesundheitspolitik eine heftige Konfrontation.
Aber vielleicht ist gar nicht der Streit das Interessanteste.
Vielleicht ist es die Frage, wer an diesem Tisch eigentlich über welche Form von Macht verfügt.
Der eine kann politische Entscheidungen beeinflussen. Die andere kann mit einem einzigen Video Hunderttausende oder sogar Millionen Menschen erreichen.
Und plötzlich stehen sich zwei Formen von Macht gegenüber, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Du erfährst:
• warum Aufmerksamkeit heute selbst eine Form von Macht geworden ist • weshalb die Begegnung zwischen Merz und Merscher mehr erzählt als einen politischen Streit • was passiert, wenn Zuspitzung mehr Reichweite erzeugt als Sachlichkeit • warum Social Media unsere Vorstellung von Einfluss verändert • und weshalb die entscheidende Frage vielleicht längst nicht mehr lautet: Wer hat das höchste Amt? Sondern: Wer bekommt unsere Aufmerksamkeit?
Diese Folge ist keine Abrechnung mit Friedrich Merz und auch keine mit Bea Merscher.
Sie ist der Versuch, einen Mechanismus zu verstehen, der längst nicht nur Politiker, Influencer oder Medien betrifft.
Denn wir alle entscheiden jeden Tag mit einem Klick, wem wir Aufmerksamkeit geben.
Und damit vielleicht auch ein kleines Stück Macht.
Silver Love Coaching - Was vom Manne übrig bleibt. Von und mit Fine Engels
Transkript anzeigen
00:00:00: Friedrich Merz und die Kinderärztin.
00:00:02: Wer hat hier eigentlich die Macht?
00:00:06: Früher brauchte mein Amt, um Macht zu haben!
00:00:09: Heute reichen manchmal dreihunderttausend Follower.
00:00:13: Friedrich Merts hat ein Amt – sogar eines der mächtigsten das dieses Land zu vergeben hat.
00:00:19: Bea Mercher hat einen Instagram-Account Und als sie beiden vor wenigen Tagen bei RTL aufeinandertreffen, folgen ihr dort etwas mehr als dreihunderttausend Menschen.
00:00:31: Eigentlich müsste die Machtverteilung damit ziemlich eindeutig sein – hier der Bundeskanzler dauert eine Kinderärztin!
00:00:39: Ist sie aber nicht?
00:00:40: Dr.
00:00:41: Bea Mercher wirft Friedrich Merz vor laufender Kamera vor seinen Amtseid zu brechen.
00:00:46: Sie bezeichnet Teile seiner Gesundheitspolitik als menschenverachtend und
00:00:50: zerstörerisch.".
00:00:52: Merz reagiert scharf, er empfindet ihre Worte als persönliche Herabsetzung und weiß sie entschieden zurück.
00:00:59: Man könnte jetzt darüber diskutieren wer in der Sache recht hat – über Sparzwänge, über Krankenkassen, Arztpraxen, Krankenhäuser, Kinder, Familien… Darüber wie hart Kritik an einem Bundeskanzler sein darf und darüber wie ein Bundeskanza darauf reagieren sollte!
00:01:17: Mich interessiert allerdings etwas anderes... Was passiert eigentlich an diesem Tisch?
00:01:24: Denn dort sitzt nicht einfach Friedrich Merz einer Kindergeärztin gegenüber.
00:01:27: Dort treffen zwei vollkommen unterschiedliche Formen von Macht aufeinander.
00:01:32: Merz besitzt die klassische Macht, Amt-, Partei-, Kanzleramt-, Mitarbeiter-, Termine-, Sicherheitsdienstzugang zu Institution und Menschen, zu denen die meisten von uns niemals Zugang bekommen werden.
00:01:46: Merzer besitze eine andere Macht – Aufmerksamkeit!
00:01:50: Und die hatte sie schon vor der Begegnung mit Friedrich Merz.
00:01:54: Hunderttausende Menschen folgen ihr bereits, ihre Videos erreichen teilweise ein Millionenproblikum.
00:02:00: Sie spricht über Medizin Kinder und Familien und seit einiger Zeit immer stärker auch über Gesundheitspolitik.
00:02:08: Friedrich-Merz hat sie also nicht berühmt gemacht.
00:02:12: Das ist mir wichtig!
00:02:14: Da saßen zwei Menschen, die beide Öffentlichkeit kennen nur auf völlig unterschiedliche Weise.
00:02:20: Der eine bekommt sie durch sein Amt.
00:02:23: Die andere hat sich aufgebaut und Bea Merche hat Erfahrung damit, wie diese Form von Öffentlichkeit funktioniert.
00:02:32: Interessant ist deshalb etwas das sie nach der Sendung selbst über ihre Wuchtfall gesagt hat.
00:02:39: Sinngemäß mit weniger drastischen Formulierungen wäre Sie vermutlich nicht aufgefallen – das kennen Sie aus den sozialen Medien!
00:02:48: Und an diesem Satz bleibe ich hängen.
00:02:52: Nicht weil er Bea Mercher entlarvt, sondern weil er ziemlich gut beschreibt wie Öffentlichkeit inzwischen
00:02:58: funktioniert.".
00:03:00: Es heißt es reicht heute offenbar nicht immer etwas Wichtiges zu sagen!
00:03:05: Es muss auch so gesagt werden dass wir nicht weiter scrollen und damit verändert sich etwas.
00:03:12: Mercher möchte auf Probleme im Gesundheitswesen aufmerksam machen.
00:03:15: sie formuliert sehr scharf Merz reagiert ebenso deutlich, aus einer gesundheitspolitischen Diskussion wird eine Konfrontation.
00:03:24: Aus der Konfrontition wird ein Clip, der Clip wird geteilt, Medien greifen ihn auf.
00:03:29: Andere Medien berichten darüber das inzwischen alle darüber reden.
00:03:33: Merz nennt Mercher im weiteren Verlauf eine Nutzniesserin des Systems und plötzlich entwickelt sich auch dieses Wort zum Eigenleben.
00:03:43: Ärzte und ärzte Organisationen reagieren, die Diskussion verlässt längst das Fernsehstudio.
00:03:49: Irgendwann gehört eine solche Geschichte keinem der beiden Beteiligten mehr – nicht Bea Mercher, nicht Friedrich Merz!
00:03:56: Sie wandert vom Fernsehen ins Netz, vom Netz in den Nachrichten von dort in Arztpraxenverbände, Podcasts und Kommentarspalten und irgendwann wieder zurück in die Politik.
00:04:07: Nur was genau hat denn da eigentlich funktioniert?
00:04:12: Reden wir jetzt mehr über die medizinische Versorgung von Kindern, über Wartezeiten, über fehlende Ärzte?
00:04:18: Über die Finanzierung unseres Gesundheitssystems?
00:04:22: oder reden wir darüber wer wen beleidigt ausgelacht und herabgesetzt hat.
00:04:27: Das ist ein Riesenunterschied!
00:04:30: Und Friedrich Merz auch.
00:04:31: er kennt Öffentlichkeit natürlich aber er kennt sie in einer anderen Form.
00:04:36: Ein Bundeskanzler muss morgens nicht überlegen wie er heute seine Reichweite erzeugt.
00:04:42: Seine Funktion verschafft sie eben.
00:04:44: Wenn Friedrich Merz etwas sagt, stehen Kameras bereit – das Amt liefert die Aufmerksamkeit gleich mit!
00:04:50: Bei BR-Märscher funktioniert es anders.
00:04:52: Menschen müssen freiwillig auf ihr Profil gehen Sie müssen ihr Folgen ein Video anklicken zuhören und dann passiert innerhalb weniger Tage etwas Bemerkenswertes.
00:05:03: Als sie beiden bei RTL aufeinandertreffen sprechen die Berichte noch von etwas mehr als dreihunderttausend voller an.
00:05:11: Heute sind es bereits mehr als siebenhundertfünfzigtausend.
00:05:15: Ihre Reichweite hat sich damit innerhalb von nicht einmal zehn Tagen mehr als verdoppelt.
00:05:21: Das ist keine Bewertung, aber es ist bemerkenswert!
00:05:24: Denn plötzlich können wir bei nahe in Echtzeit beobachten was öffentlicher Aufmerksamkeit bewirkt.
00:05:32: Eine politische Auseinandersetzung erreicht Menschen.
00:05:35: Menschen teilen Sie andere Menschen folgen Medien berichten Neue Menschen werden aufmerksam und aus Aufmerksamkeit entsteht noch mehr Aufmerksamkeit.
00:05:44: Und dann passiert noch etwas!
00:05:46: Bia Mercher lässt ihre Reichweite nicht auf dem Bildschirm, sie organisiert vor dem Reichstagsgebäude eine Demonstration für eine stärkere Gesundheitsvorsorge – genau das macht diese Geschichte für mich größer als den Streit zwischen einer Erzien- und einem Bundeskanzler.
00:06:03: Denn jetzt stellt sich die Frage was passiert wenn digitale Reichweiter den Bildschirmen verlässt?
00:06:09: Wenn aus Followern Menschen auf einem Platz werden, wenn aus Likes Mobilisierung wird, wenn das Aufmerksamkeit politischer Druck entsteht.
00:06:17: Nun ist dieser Samstag vorbei – die Demonstration hat stattgefunden!
00:06:21: Bea Mercher stand vor dem Reichstag, sie eröffnet die Kundgebung und sprach am Ende noch einmal selbst.
00:06:27: Ich werde hier bewusst keine Teilnehmerzahlen nennen, unmittelbar nach der Veranstaltung gibt es dafür noch keine Zahl, die ich für belastbar genug
00:06:35: halte.".
00:06:36: Aber für meine Frage ist etwas anderes viel interessanter.
00:06:40: Die digitale Aufmerksamkeit hat tatsächlich den Bildschirm verlassen.
00:06:44: Aus einem Instagram-Account wurde ein Nachmittag auf der Bühne vor dem Reistag, aus Posts Clips und Kommentaren wurde eine reale Demonstration.
00:07:00: Ob daraus politischer Druck entsteht wissen wir noch nicht.
00:07:04: aber spätestens jetzt reden wir nicht mehr nur über Reichweite Wir reden über Macht.
00:07:10: Friedrich Merz kann politische Entscheidungen treffen, wer Mercher kann hunderttausende Menschen unmittelbar erreichen?
00:07:18: Er verfügt über institutionelle Macht Sie verfüge öffentliche Resonanz Er kann Gesetze mitgestalten – sie kann dafür sorgen dass sehr viele Menschen innerhalb weniger Stunden darüber sprechen.
00:07:31: und plötzlich sitzt der Mann mit dem mächtigsten Amt der Frau, mit dem wirkungsvolleren Sechzig Sekunden-Clip gegenüber.
00:07:39: Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte dieses Treffens – nicht dass eine Kinderärztin den Bundeskanzler angegriffen hat und auch nicht dass der Bundeskantler scharf zurückgeschossen hat sondern dass dort für ein paar Minuten zwei Systeme von Macht sichtbar nebeneinander saßen.
00:07:55: Das Eine ist gewählt, geregelt und institutionell Das andere es steht aus Aufmerksamkeit.
00:08:02: Und das Zweite kann das Erste inzwischen erheblich unter Druck setzen.
00:08:08: Vor zehn Tagen folgen B.A.
00:08:09: Mercher mehr als dreihunderttausend Menschen, heute sind es mehr als siehmonatfünfzig tausend und das nur auf Instagram!
00:08:18: Inzwischen wissen wir dass diese Aufmerksamkeiten nicht im Netz geblieben ist.
00:08:23: Sie hat Menschen vor den Reichstag gebracht.
00:08:25: ob daraus dauerhaft politischer Einfluss entsteht Das wissen wir noch nicht, aber vielleicht ist genau das die neue Machtfrage.
00:08:34: Nicht wer hat das höchste Amt?
00:08:37: Sondern wer bekommt unsere Aufmerksamkeit und was kann er damit anfangen?
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