MERZ IST NOCH KANZLER. ABER DIE ANDEREN PLANEN SCHON OHNE IHN.

Shownotes

Friedrich Merz ist Bundeskanzler.

Und trotzdem wird bereits über die Zeit nach ihm gesprochen.

Über Rückhalt. Über mögliche Nachfolger. Über die Frage, wer zu wem hält und wie lange noch.

Aber was macht das mit einem Menschen?

Was passiert, wenn man noch auf demselben Stuhl sitzt, noch entscheidet und noch Verantwortung trägt, während die anderen bereits anfangen, das Danach zu planen?

Dieser Moment betrifft nicht nur einen Bundeskanzler.

Er betrifft den Chefarzt, neben dem plötzlich der mögliche Nachfolger sitzt. Den Unternehmer, dessen Kinder Entscheidungen inzwischen ohne ihn treffen. Den Geschäftsführer, der merkt, dass sein Wissen nicht mehr bei jedem Gespräch gebraucht wird.

Und den Mann, der nach Jahrzehnten der Verantwortung eine ziemlich unangenehme Entdeckung macht:

Es geht auch ohne mich.

Diese Folge handelt deshalb nicht vom politischen Für und Wider Friedrich Merz.

Sie handelt von Macht, Ersetzbarkeit, Nachfolge und der Frage, wie wir damit umgehen, wenn unsere Bedeutung für andere sich verändert.

Denn vielleicht zeigt sich Souveränität nicht darin, wie selbstverständlich jemand einen Raum betritt, solange alle auf ihn warten.

Sondern darin, wie er sich verhält, wenn er merkt, dass sie irgendwann auch ohne ihn anfangen werden.

Du bist noch da. Aber die anderen üben schon das Danach.

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00:00:00: März ist noch Kanzler.

00:00:03: Aber die anderen planen schon ohne ihn.

00:00:07: Letzen Sonntag habe ich gefragt, wer hier eigentlich gerade mehr verliert?

00:00:11: Carsten Marschmeyer oder Friedrich Merz?

00:00:14: Eine Woche später interessiert mich etwas anderes Was passiert mit einem Menschen der noch gar nichts verloren hat und trotzdem merkt es die Anderen bereits über die Zeiten nach ihm reden?

00:00:26: Friedrich-März ist Bundeskanzler.

00:00:28: Noch ist das keine Stellenbeschreibung mit Ablaufdatum für nächsten Dienstag und trotzdem fallen Namen möglicher Nachfolger.

00:00:36: Es wird über Ruckhalt gesprochen, über Mehrheiten, über die Frage wer zu wem hält und wie lange noch?

00:00:43: Das Interessante daran ist für mich nicht die politische Spekulation.

00:00:47: es ist dieser merkwürdige Zwischenraum.

00:00:50: Du bist noch da aber die anderen üben schon das danach.

00:00:55: Ich glaube diesen Moment kennen erstaunlich viele Menschen, die nie Bundeskanzler waren.

00:00:59: Der Geschäftsführer der erfährt das der Aufsichtsrat mit einem möglichen Nachfolger gesprochen hat.

00:01:04: Der Chefarzt neben dem plötzlich ein jungerer Kollege sitzt, der mehr Verantwortung übernehmen soll.

00:01:09: Der Unternehmer dessen Sohn inzwischen mit dem Steuerberater Dinge bespricht bei denen der Vater früher selbstverständlich am Tisch saß.

00:01:17: Offiziell hat sich noch gar nichts verändert und trotzdem hat sich alles verändert Denn Macht besteht nicht nur darin, entscheiden zu dürfen.

00:01:27: Macht besteht auch in der Gewissheit dass die anderen davon ausgehen das man morgen noch entscheidet.

00:01:35: Genau diese Gewisszeit beginnt irgendwann zu verschwinden Und dann wird es interessant.

00:01:41: Manche Menschen werden lauter andere kontrollierender Manche ziehen Entscheidungen wieder an sich Diese längst hätten abgeben können Andere beginnen plötzlich zu erklären was sie alles geleistet haben und einige tun so, als bemerkten sie überhaupt nichts.

00:01:58: Vielleicht ist das sogar verständlich denn wer sagt ich merke dass ihr bereits ohne mich plant sagt gleichzeitig Ich habe verstanden dass sich ersetzbar bin Und wir holt das schon gern.

00:02:11: Ersetzbarkeit is eine ziemlich unhöfliche erkenntnis vor allem nach einem leben in dem man sich daran gewöhnt hat Dass doch ohne ein Nichts läuft.

00:02:22: Dabei liegt genau darin möglicherweise die letzte große Führungsaufgabe, nicht darin sich unersetzbar zu machen sondern darin auszuhalten dass man es nicht ist.

00:02:33: Ein guter Chefarzt müsste irgendwann erleben können das die Klinik ohne ihn funktioniert.

00:02:38: ein Unternehmer das die Firma nicht zusammenbricht wenn die nächste Generation entscheidet Ein Vater, das seine Erwachsenen Kinder ihn nicht mehr für jede Entscheidung brauchen und ein Politiker muss wissen, dass irgendwann jemand anderes auf seinem Stuhl sitzt.

00:02:55: Zuverlässig!

00:02:58: Das weiß jeder – theoretisch.

00:03:01: Praktisch ist es vermutlich etwas völlig anderes wenn der Name dieses Anderen zum ersten Mal ausgesprochen wird Denn plötzlich hat er's danach ein Gesicht.

00:03:12: Vielleicht werden wir an diesem Wahlsonntag etwas darüber erfahren, wie Friedrich Merz mit genau in diesem Zwischenraum umgeht.

00:03:20: Mich interessiert dabei weniger ob er bleibt oder geht?

00:03:24: Mich interessert wie jemand bleibt während andere bereits über seinen Gehen sprechen?

00:03:30: Wird der härter sucht der Rückversicherung verändert er sein Kurs oder schafft er etwas das Menschen in Machtpositionen erstaunlich schwer fällt?

00:03:39: Nicht jede Diskussion über die eigene Zukunft als Kränkung zu behandeln.

00:03:44: Denn möglicherweise erkennt man Souveränität nicht daran, wie selbstverständlich jemand einen Raum betritt so lange alle auf ihn warten – sondern daran, Wie er sich verhält wenn er merkt dass sie irgendwann auch ohne ihn anfangen werden.

00:04:00: Das gilt im Kanzleramt im Vorstand in der klinik in der eigenen firma und manchmal sogar am heimischen estisch.

00:04:08: die anderen planen irgendwann ohne uns.

00:04:12: Das ist keine Niederlage, das ist der Lauf der Dinge!

00:04:16: Die interessante Frage ist nur wie lange brauchen wir bis wir das auch so sehen können?

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