Überlebt die CDU?

Shownotes

In dieser Folge:

  • Warum jahrzehntelanger Erfolg zur Betriebsblindheit führen kann
  • Weshalb etablierte Kräfte neue Konkurrenten zunächst ignorieren und später bekämpfen
  • Warum Warnungen ihre Wirkung verlieren, wenn Vertrauen verloren geht
  • Weshalb neue Köpfe und neue Strategien nicht automatisch einen Neuanfang bedeuten
  • Wie aus Erfahrung Selbstüberschätzung werden kann
  • Was Machtverlust mit Identität und Selbstwert zu tun hat
  • Warum der Ruhestand ähnliche psychologische Konflikte auslösen kann
  • Wie kognitive Dissonanz uns daran hindert, eigene Fehler zu erkennen

Ein Gedanke zum Mitnehmen:

„Wer immer gewinnen musste, empfindet schon Zuhören als Niederlage.“

Silver Love Coaching – Was vom Manne übrig bleibt

Ein Podcast von Fine Engels über Männer, Beziehungen, Älterwerden und die Fragen, die sich stellen, wenn das bisherige Leben nicht mehr funktioniert.

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00:00:01: Um die Frage, haben die Unersetzlichen eigentlich ausgedient?

00:00:06: Wer sich sein Leben lang für unersetzlich gehalten hat merkt möglicherweise als letzter das er längst ersetzt worden ist.

00:00:13: Das ist eine ziemlich unangenehmer Gedanke besonders für Menschen, die über Jahrzehnte gelernt haben dass sie immer auf der richtigen Seite standen.

00:00:22: Wir sind die Guten!

00:00:23: wir wissen wie es geht.

00:00:25: Wo wir sind ist vorne Unsere Entscheidungen sind richtig unsere Methoden haben sich bewährt.

00:00:32: Wir haben schließlich Erfahrung und wer sollte es besser gönnen als wir?

00:00:38: So etwas kann über Jahrzehnte wunderbar funktionieren in der Politik, in Unternehmen, in Verbänden, in Familien überall dort wo Menschen lange erfolgreich waren und irgendwann vergessen haben.

00:00:50: das Erfolg keine persönliche Eigenschaft ist.

00:00:54: Es ist zunächst einmal ein Ergebnis und Ergebnisse können sich ändern.

00:00:59: Irgendwann wird aus Erfolg ein Selbstverständnis.

00:01:02: Aus Selbstverständnissen wird überlegenheit und die Gewissheit, dass man eigentlich nichts mehr hinterfragen muss.

00:01:11: Warum auch?

00:01:12: Es hat doch immer funktioniert – bis es das plötzlich nicht mehr tut!

00:01:18: Die Wähler wählen anders, die Kunden kaufen woanders die Mitarbeiter kündigen, Kinder hören nicht zu, der Ehepartner möchte sich trennen.

00:01:27: Und man steht da und versteht die Welt nicht mehr Nicht weil man dumm wäre, sondern weil man jahrzehntelang gelernt hat dass die eigene Vorstellung von der Welt die richtige ist.

00:01:39: Was macht man also?

00:01:41: Zunächst macht man einfach weiter!

00:01:44: Man arbeitet härter redet lauter erhöht den Druck.

00:01:48: Man erklärt noch einmal warum man recht hat.

00:01:51: vielleicht hat das gegenüber es beim ersten mal einfach nicht verstanden.

00:01:55: Wenn das nicht hilft sucht man nach Schuldigen.

00:01:58: Die Wähler sind undankbar, die Kunden anspruchsvoll, die Mitarbeiter bequem, die Jugend respektlos, die Medien unfair.

00:02:05: Und der Ehepartner hat vermutlich jemanden kennengelernt, dem irgendwelche Flausen in den Kopf gesetzt hat.

00:02:12: Nur an einem selbst kann es eigentlich nicht liegen!

00:02:17: Schließlich hat man alles so gemacht wie immer – und genau das ist möglicherweise das Problem.

00:02:24: Dann tauchen auch noch die Neuen auf Menschen, Parteien oder Unternehmen die sich überhaupt nicht dafür interessieren wie man die Dinge bisher geregelt hat.

00:02:33: Die halten sich nicht an die alten Spielregeln.

00:02:35: sie benutzen eine andere Sprache stellen andere Fragen und kümmern sich erstaunlich wenig darum ob die bisherigen Platzhörsche sie ernst nehmen.

00:02:45: zunächst ignoriert man sie dann macht man sich über sie lustig.

00:02:50: Man erklärt sich für unerfahren inkompetent ungebildet populistisch oder schlicht für nicht gesellschaftsfähig.

00:02:56: Wann belächelt ihre Ideen, ihre Anhänger ihr Auftreten?

00:03:00: Das Publikum soll schließlich wissen mit wem man es dazu tun hat.

00:03:06: Nur leider interessiert sich die einen wachsender Teil des Publikums überhaupt nicht mehr für diese Einschätzung.

00:03:13: Die Neuen werden stärker und die Alten werden nervös.

00:03:17: Jetzt beginnt die nächste Phase.

00:03:20: Man grenzt aus Man versucht Einfluss zu begrenzen, man erklärt warum diese Leute auf keinen Fall Verantwortung übernehmen dürfen.

00:03:28: In der Politik kommen dann auch Begriffe wie extremistisch oder rechtsextrem ins Spiel.

00:03:34: und bevor wir hier etwas durcheinander bringen es gibt Rechtsextreme Positionen Es gibt verfassungsfeindliche Bestrebungen Und es gibt gute Gründe Diese zu benennen, zu überprüfen und gegebenfalls mit rechts schadlichen Mitteln dagegen vorzugehen.

00:03:50: Das ist keine Frage des politischen Geschmacks, aber etwas anderes ist ebenso bemerkenswert.

00:03:57: Wenn Menschen den etablierten Institutionen nicht mehr vertrauten verlieren irgendwann selbst berechtigte Warnungen ihre Wirkung – nicht unbedingt weil sie falsch wären sondern weil die Glaubwürdigkeit derjenige beschädigt ist, die sie aussprechen.

00:04:12: und dann kann man noch so oft erklären wie gefährlich die anderen sind.

00:04:16: ein Teil des Publikums hört längst nicht zu.

00:04:20: Das müsste eigentlich der Moment sein, in dem man innehält und sich fragt.

00:04:25: Was haben wir übersehen?

00:04:27: Warum erreichen wir diese Menschen nicht mehr?

00:04:30: Was hat sich verändert?

00:04:32: Stattdessen beginnt die nächste Runde!

00:04:35: Man tauscht Köpfe aus – neue Vorsitzende, neue Geschäftsführer, neue Minister, neue Berater.

00:04:42: Man gründet Kommissionen, veranschaltet Klausurtagungen, entwickelt Zukunftsstrategien.

00:04:50: Am Ende gibt es ein neues Logo, einen neuen Slogan und einen neuen Menschen an der Spitze.

00:04:57: Die Pressemitteilung verspricht einem grundlegenden Neuanfang – und bei der ersten Gelegenheit hört man wieder dieselben Sätze wie vor zwanzig Jahren!

00:05:07: Man hat die Personen ausgetauscht damit möglichst niemand die Überzeugungen austauschen muss.

00:05:14: Wenn auch das nicht funktioniert entdeckt man weitere Möglichkeiten.

00:05:20: die man zuvor bekämpft hat.

00:05:22: Plötzlich werden ihre Themen wichtig, ihre Forderungen werden geprüft, ihre Begriffe tauchen in den eigenen Reden auf.

00:05:30: Was gestern noch verantwortungslos war gilt heute als notwendige Kurskorrektur.

00:05:36: Selbstverständlich betont man gleichzeitig dass man mit diesen Menschen überhaupt nichts gemeinsam habe!

00:05:42: Das ist eine mermerkenswerte politische Akrobatik.

00:05:46: Man versucht die Konkurrenz zu kopieren und hofft das dem Menschen.

00:05:50: lieber Original von gestern Wellen als das Original von heute.

00:05:56: Natürlich darf man seine Meinung ändern, es wäre sogar ausgesprochen wünschenswert wenn Menschen häufiger bereit wären neue Erkenntnisse zu berücksichtigen.

00:06:05: Aber zwischen einer begründeten Meinungsänderung und einer panischen Anpassung besteht ein Unterschied.

00:06:13: Die eine entsteht durch Überzeugungen die andere aus Angst bedeutungslos zu werden Und Angst ist selten ein guter Berater.

00:06:21: Das alles kennen wir übrigens nicht nur aus der Politik.

00:06:26: Denken wir an einen Unternehmer, der sein Unternehmen über vierzig Jahre aufgebaut hat.

00:06:33: Er kennt jeden Kunden jede Maschine, jede Zahl – er hat Krisenüberstanden mit Arbeiter eingestellt und Konkurrenten überlebt.

00:06:41: Dann übernimmt die nächste Generation!

00:06:44: Sie digitalisiert Abläufe verändert die Organisation und stellt Entscheidungen in Frage, die der Vater jahrzehntelang selbstverständlich getroffen.

00:06:53: Er könnte stolz sein.

00:06:55: Stattdessen fühlt er sich entmachtet.

00:06:58: Er erklärt, dass die Jungen keine Ahnung hätten das man Geschäfte nicht am Computer oder mit künstlicher Intelligenz mache und das früher wenigstens noch gearbeitet worden sei.

00:07:08: Dabei geht es längst nicht mehr um Computer- oder KI.

00:07:12: Es geht um die Frage welchen Wert seine Erfahrung hat wenn niemand mir danach fragt.

00:07:19: Oder nehmen wir einen Mann, der sein ganzes Berufsleben Entscheidungen getroffen hat.

00:07:23: Er war verantwortlich erfolgreich gefragt.

00:07:26: Sein Kalender war voll seine Meinung hatte Gewicht.

00:07:29: Dann kommt der Ruhestand!

00:07:32: Niemand ruft mir an um eine Entscheidung zu bekommen.

00:07:34: Niemand wartet auf seine Einschätzung und wenn er ungefragt Drahtschläge verteilt reagiert das Umfeld zunehmend ungehalten.

00:07:43: Er versteht es nicht – er will doch nur helfen.

00:07:46: Früher waren alle dankbar für seine

00:07:48: Erfahrung.".

00:07:49: Jetzt wird sie offenbar als Einmischung empfunden und möglicherweise beginnt er, genau das zu tun was wir bei Unternehmen und Parteien beobachten.

00:07:58: Er kritisiert, er kontrolliert, erklärt warum die anderen alles falsch machen.

00:08:03: Er versucht sich die Bedeutung zurückzuholen, wie früher selbstverständlich war.

00:08:08: Das tragische daran ist dass er damit genau die Menschen auf Distanz bringt deren Anerkennung er sich doch so sehr wünscht.

00:08:18: Es gibt einen psychologischen Begriff, der einen Teil dieses Verhaltens erklärt.

00:08:22: Kognitive Dissonanz.

00:08:25: Wenn unsere Überzeugungen und die Wirklichkeit nicht mehr zusammenpassen entsteht ein unangenehmer innerer Widerspruch.

00:08:33: Den kann man auflösen indem man seine Überzeugung überprüft oder indem man versucht die Wirklichkeit so zu erklären dass die alten Überzeugen erhalten bleiben.

00:08:43: Die zweite Möglichkeit ist häufig bequemer Vor allem dann, wenn man mit der ersten sein gesamtes bisheriges Selbstbild infrage stellen müsste.

00:08:53: Denn wer jahrzehntelang gelernt hat das er alles richtig macht, erkennt irgendwann möglicherweise nicht mehr was er falsch macht.

00:09:02: und damit kommen wir zu einer Frage die mich besonders beschäftigt Was wäre eigentlich so schlimm daran?

00:09:09: Nicht mehr der Beste zu sein Nicht mehr der Klügste im Raum, nicht mehr derjenige, der die Richtung vorgibt.

00:09:15: Nicht mehr den Mensch dessen Meinung alle hören wollen.

00:09:19: Warum fällt es manchen so schwer zu sagen?

00:09:22: Ich weiß es nicht!

00:09:24: Ich habe mich gehört!

00:09:25: Vielleicht können andere etwas besser als ich.

00:09:28: Möglicherweise weil sie ihren Wert über Jahrzehnte ausschließlich aus ihrer Überlegenheit gezogen haben.

00:09:35: Wer immer gewinnen musste empfindet schon das Zuhören-als Niederlage.

00:09:39: Wer immer Recht haben musste, erlebt eine andere Meinung als Angriff und wer sich für unersetzlich hält kann kaum ertragen dass das Leben auch ohne ihn weitergeht.

00:09:49: Dabei ist genau das der Lauf der Dinge!

00:09:54: Neue Generationen kommen neue Ideen entstehen Gesellschaften verändern sich Unternehmen verschwinden Parteien verlieren Wähler Menschen verlassen Beziehungen.

00:10:04: nicht jede Veränderung ist eine Verbesserung.

00:10:07: Nicht jeder Neue ist kompetenter als ein Vorgänger und nicht alles, was gestern richtig war, ist heute falsch.

00:10:15: Aber nichts davon entbindet uns davon unsere eigenen Gewissheiten gelegentlich zu überprüfen!

00:10:22: Vielleicht besteht die eigentliche Leistung eines erfolgreichen Menschen irgendwann nicht mehr darin seinen Erfolg zu verteidigen sondern darin zu erkennen wann die Voraussetzungen dafür verschwunden sind?

00:10:35: Das verlangt etwas, das in keiner Führungsstrategie besonders attraktiv klingt.

00:10:40: Bescheidenheit Nicht die demonstrative Bescheidenschaft mit der sich erfolgreiche Menschen gern schmücken Sondern die Fähigkeit auszuhalten dass andere etwas verstanden haben könnten Dass man selbst noch nicht begriffen hat Und vielleicht sogar die Fährigkeit ihnen zuzuhören ohne sofort erklären zu müssen warum sie falsch liegen.

00:11:03: Ich glaube, wir beschäftigen uns viel zu viel mit der Frage wie Menschen erfolgreich werden.

00:11:08: Wir bewundern ihre Durchsetzungskraft, ihre Behaarlichkeit und Überzeugungen.

00:11:13: Viel seltener fragen wir was aus diesen Eigenschaften wird wenn die Umstände sich ändern?

00:11:19: Behaarlichkeit kann zur Sturheit werden.

00:11:22: Überzeugung zur Selbstgerechtigkeit Erfahrung zur Betriebsblindheit und selbstbewusstsein zu einer erstaunlichen Unfähigkeit die eigene Bedeutung realistisch einzuschätzen.

00:11:35: Vielleicht ist das die schwierigste Aufgabe in der zweiten Lebenshälfte, nicht noch einmal zu beweisen was man alles kann sondern herauszufinden wer man isst weil man es niemandem mehr beweisen muss denn es gibt einen Unterschied zwischen unersetzlich sein und wichtig sein.

00:11:53: Wichtig kann man bleiben auch wenn andere längs die Entscheidungen treffen.

00:11:58: Unersetzlich ist auf Dauer niemand.

00:12:01: Und wer das rechtzeitig versteht, muss nicht seine ganze Kraft darauf verwenden, seinen Nachfolger kleinzuhalten – er könnte ihn sogar etwas zutrauen!

00:12:12: Das wäre doch mal ein Neuanfang ganz ohne Kommission und ohne neue Köpfe.

00:12:19: Vielleicht reicht es ja zunächst einmal den eigenen wirklich zu benutzen….

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